Full text: Volume (1 (1911))

Literatur.

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vergeben. Ein solches officium bekleidet z. B. der magister refectorii,
der scriptor negligentiarum, der cellerarius, ferner begegnet das officium
fabricae, das officium currens usw. Es wäre von Interesse gewesen,
näheres über die Art der Verteilung zu hören. In Köln z. B. und nach
Lenze auch in Augsburg bestehen eigene Verordnungen über die officia
und über die Reihenfolge, in der sie vergeben werden. Dazu kommt
in Köln, daß eine Reihe dieser officia jährlich ihren Inhaber wechseln.
Hier wäre wohl der Ort gewesen, wo der Verfasser aus den außer acht
gelassenen Kapitelsprotokollen vielleicht manches hätte entnehmen
können. Unter eifriger Benutzung der Quellen unterrichtet uns aber
Bastgen eingehend über die Einrichtung des Refectoriums, das in der
Güterverwaltung eine besondere Stellung einnimmt. Sehr zu kurz
kommt hinwiederum die Behandlung der fabrica ecclesiae, über die
man gern mehr im Zusammenhang erfahren hätte.
Das letzte Kapitel des umfangreichen Buches belehrt uns über
die Stellung des Kapitels in der Verwaltung der Diözese. Die wich-
tigsten Rechte, die dem Kapitel hier zustehen, sind Konsensrecht
und Wahlrecht. Bastgen macht folgende Unterscheidung: keines Kon-
senses bedürfen privat rechtliche Bischofsurkunden, stets finden wir
ihn dagegen bei öffentlichrechtlichen Urkunden „in denen der
Bischof Güter und Rechte erwirbt, vertauscht oder veräußert, die
öffentlich rechtlicher Natur sind, oder wenn es sich handelt, wie die
Urkunden sagen, um res de potestate sancti Petri“. Wir halten diese
Einteilung für unrichtig. Auch privatrechtliche Urkunden des Bischofs
sind unter Umständen konsensbedürftig, dann nämlich, wenn sie sich
auf Güter der ecclesia Treverensis beziehen. Solche Urkunden sind
nicht alle, wie Bastgen annimmt, öffentlich rechtlich. In der Tat
findet sich dann auch unter den von ihm aufgezählten „öffent-
lichrechtlichen“ Urkunden eine ganze Reihe rein privatrechtlicher
Natur. Vielleicht dürfte folgende Einteilung sich mehr empfehlen:
Ein Konsens ist nicht erforderlich bei privatrechtlichen Urkunden, die
die Person und das Eigentum des Bischofs allein betreffen, er wird
dagegen verlangt bei Urkunden, die sich auf das Erzstift, auf res de
potestate 8. Petri, beziehen, mögen diese nun privatrechtlicher Art
sein oder über öffentlichrechtliche Befugnisse bestimmen. Nach Bastgen
findet sich ein Konsens bei Prekarieverträgen, Schenkungsurkunden,
Restitutionsurkunden, Bestätigungsurkunden von öffentlichen Rechten (!),
Urkunden über Zehntverträge und Zinserlasse, Beurkundungen ge-
richtlicher Entscheidungen (worüber?), Rechtsbestätigungsurkunden (!),
Lehnsurkunden. Diese Einteilung scheint uns ebenfalls nicht glücklich
gewählt; der Unterschied zwischen den einzelnen Kategorien tritt trotz
der beigebrachten Beispiele nicht immer klar hervor, vor allem vermag
man keine Verschiedenheit zwischen den vom Verfasser angeführten
Urkunden, die öffentliche Rechte, und solchen, die iura et iurisdic-
tiones (!) bestätigen, zu finden.
Deutlich ist dagegen vom Verfasser herausgearbeitet, wie der
Kreis der Konsensberechtigten sich allmählich auf das Domkapitel

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