Full text: Volume (1 (1911))

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Paul A. Leder,

war die Hochschätzung der ganzen Gruppe der alten Xöyov XaXovvrs?
in der Erinnerung allmählich allein übertragen worden) — empfangen
haben und daß nur durch die Bischöfe auf diese Weise die wahre
Lehre in der Kirche bewahrt werde (Vorstufen: Übergang des Xöyov
XaXsTv auf die Bischöfe, dann auf den Bischof). Die Theorie schafft
zunächst eine geistige enge Verbindung zwischen den Bischofsitzen.
In der Bischofssynode tritt diese Verbindung bald in die rechtliche
Erscheinung. Die Bischofssynode wird in partikularen und universalen
Formen zur ständigen Einrichtung, als sich nach dem Vorbild der
Reichseinteilung die kirchliche Provinz unter dem Metropoliten (2. Jahr-
hundert), und der Patriarchat unter dem Patriarchen (Orient: B. Jahr-
hundert) ausgebildet hatte. Die Reichssynode und der Kaiser be-
zeichnen den vorläufigen Endpunkt der Rechtsentwicklung zur allge-
meinen Rechtskirche.
An diesem Punkte zeigen sich die Unebenheiten des Buches ganz
auffallend. Teil 1. Die Kirche ist geistlich verfaßt, nicht viel mehr,
als eine Idee. Dagegen schon der Begriff der tatsächlichen Theokratie
(101), deren teilweise Verwirklichung auf die Rechtsgestalt hinweist.
Teil 2. Die Urkirche taucht die vorhandene Ordnung in das Geistliche
ein und sieht in ihr göttliches Kirchenrecht. Die Urkirche hat also
jedenfalls auch göttliche Rechtsgestalt: Synodalrecht! (159 f., vgl. 174).
Kirche und Gemeinde.
Der leitende Gedanke der kirchlichen Entwicklungsgeschichte ist
die Spannung zwischen „Universalorganisation“ und „Lokalorganisation“.
Die „Universalorganisation“ hat vorübergehend und anfangs als Grund-
lage die Annahme, daß die durch den Apostel vertretene Gesamtkirche
mit der durch denselben Apostel vertretenen Provinzialkirche (Missions-
gebiet des Apostels) sich decke (S. 113). Die Universalorganisation
äußert sich darin, daß die Einzelgemeinde als Schöpfung eines gesamt-
kirchlichen Organs — des apostolischen Missionars — von diesem ab-
hängig ist. Der Missionar hat den von ihm gegründeten Gemeinden
gegenüber annähernd die Stellung eines Missionssuperintendenten. Das
Amt, des Missionars ist anfangs rein charismatisch. In der Folge ent-
wickeln sich rechtliche Kompetenzen. So wird die Strafgewalt des
Missionars seinen Gemeinden gegenüber zu einer rechtlichen. Die
„Lokalorganisation“ (— leitendes Organ anfangs der kollegiale, später
der monarchische imoxonog, Rechtsgestalt erst am Ausgang des 1. Jahr-
hunderts —) bedeutet dagegen die Selbständigkeit der Gemeinde. Denn
hier führt der Gedanke die Herrschaft, daß die Gemeinde die empirische
Erscheinung der Gesamtkirche ist. In dieser Vorstellung hat die Ge-
meinde niemanden über sich als den himmlischen xvqios und gerät in
einen Gegensatz zum Apostel, der ebenso die Gesamtgemeinde — an-
fangs vertreten durch die apostolische Missionsgemeinde — repräsen-
tiert. Die „Lokalorganisation“, obwohl lange Zeit in ihrer Entwicklung
durch diese Spannung gehindert, trägt den Sieg davon. Im 2. Jahr-
hundert treten die apostolischen Missionare vom Schauplatz der Ge-

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