Full text: Volume (1 (1911))

Gratian und die Eigenkirchen.

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zwar auch dann nicht, wenn dies Eigentum, wenn diese
Herrschaft über das Gut, auf dem die Kirche sich erhebt,
einem geistlichen Herrn, einem Abte oder gar einem Bischof,
diesem natürlich auf einer auswärtigen Besitzung seiner Kirche,
außerhalb seines Bistums, zusteht. Letzteres ergibt sich ohne
weiteres aus dem unmittelbar darauf folgenden Kanon, von
Gratian Papst Nikolaus zugeschrieben, in Wahrheit aber der
zehnte der Synodalbeschlüsse des Konzils von Orange von
441, der noch der vorgermanischen Periode angehört und
richtiger Ansicht nach vom Eigenkirchenrechte oder auch nur
von einem ins territorii sive fundi im Sinne Gratians und
der Späteren nichts weiß ^), aber von jeher als die klassische
Stelle über auswärtige Kirchen der Bischöfe gegolten hat
und bis in die neueste Zeit hinein, wenn auch zu Unrecht,
als ein Grund- und Eckstein in der Geschichte oder besser
in der Vorgeschichte des Patronatrechtes angesehen worden
ist. Gratian will die Jurisdiktion über eine Kirche und als
deren wichtigsten Ausfluß die Besetzungsbefugnis vom Besitz
und Eigentum an ihr, also von der vermögensrechtlichen
Herrschaft über sie, strenge auseinandergehalten wissen. Das
betont er im Anschluß an den dritten und letzten Kanon,
den er zu dieser quaestio beibringt, einen Brief Gregors
des Großen, mit den Worten:
Quod de iure ordinandi, non possidendi intel-
ligendum est.
Und nun zögert er auch nicht länger, das Ergebnis zu ziehen:
His auctoritatibus facile potest perpendi, quod sive ab-
bates sive episcopi in suis castellis vel villis
ecclesias edificaverint, non ideo episcopo, in
cuius diocesi fuerint, conventus adimitur, et ideo
sacerdotes, iuxta illud Urbani et Nicolai, in eis non
nisi per episcopos, cum consensu tamen et ele-
ctione edificantium, ordinari possunt.
Stutz, Kirchliches Benefizialwesen I 8. 69 f, und Göttingische
gelehrte Anzeigen 1904 Nr. 1 8. 28 Anm. 1. Thomas, der p. 12 ss. zu-
nächst die Bestimmung gleichfalls richtig deutet, fällt mit der Be-
merkung, vielleicht sei sie auch einem Laien zugute gekommen, wenn
er eine Kirche gründete, wenigstens z. T. sofort wieder in den Irrtum
der Älteren zurück.
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