Full text: Volume (1 (1911))

Gratian und die Eigenkirchen.

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gleichfalls als solche außer acht bleiben können, für das
Gegenteil beizubringen. Und nun schließt er die quaestio
mit folgendem dictum:
Ecce Urbanus Papa prohibet investituras parrochialium
ecclesiarum (so im Anschluß an die beiden canones) per
monachos fieri, quas Iohannes Papa eis concessit. Sed
illud Iohannis Papae intelligendum est de illis
capellis, que cum omni iure suo ab episcopis
monachis conceduntur. Istud autem Urbani in-
telligendum est de illis, quas abbates in propriis
prediis edificant in villis vel in castellis suis.
Da haben wir mit einer Deutlichkeit, die nichts zu wünschen
übrig läßt, den geschilderten Unterschied von Kirchen, die
den Klöstern pleno iure zugehören, ihnen also im Sinne des
späteren Rechtes inkorporiert sind, und für die deshalb den
Äbten die Investitur zusteht, sowie von bloßen Eigen-, später
Patronatkirchen, für welche das eigenkirchliche Besetzungs-
recht mehr und mehr auf eine Präsentationsbefugnis be-
schränkt zu werden im Begriffe steht, indes dem Bischof die
Investitur oder das Kollationsrecht zuerkannt wird.1) Ver-
wunderlich ist angesichts der Schärfe der Unterscheidung
nur, daß weder Hinschius diese und die im Folgenden noch
zu besprechenden Äußerungen Gratians beachtet hat, die
so trefflich den von ihm erstmals eindringlich beleuchteten
Werdeprozeß der Inkorporation belegen, noch Schreiber, der
freilich andere Quellen als die Kloster- und Ordensprivi-
legien nur ausnahmsweise heranzog, und zu dessen Aufgabe
die Behandlung der Frage, wie Gratian zu dem Gegen-
stände seiner Forschung sich stelle, nicht gehörte. Jedenfalls
erhalten seine Ergebnisse durch Gratians Äußerung eine
glänzende Bestätigung. Denn auch das hat er uns gezeigt2),
womit obiges dictum aufs beste übereinstimmt, daß die weiter
gehende Berechtigung der Klöster und ihrer Äbte namentlich
bei denjenigen Kirchen vorkam, für die jene vom Episkopat
*) Wenn nachmals die Schule unter dem non pleno iure pertinere
eine auf die Temporalien beschränkte Inkorporation versteht und den
geistlichen Patronat als etwas davon Verschiedenes kennt, so scheint
mir das erst eine nachgratianische Beschränkung und Präzisierung zu
sein. — 2) II 8. 49 ff. an vielen Stellen.
Zeitschrift für Rechtsgeschichte. XXXII. Kan. Abt. I.

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