Full text: Volume (1 (1911))

Bußbücherstudien.

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sächsischen’ auf theodorischer Grundlage, der kelti- \
sehen (irisch-althritischen) vorwiegend unter dem Namen
iudicia Cummeani verbreiteten Masse, und des zum Teil auf .
Columban, zum Teil auf die allgemeinkirchlichen Sammlungen
sowie auf fränkisches Konzilsrecht zurückgehenden kano-
nischen Materials. Der Nachweis der gesonderten Wieder-
gabe dieser Rechtspartien in zwei Kompilationen erleichtert
die Feststellung der Herkunft eines Satzes ganz wesentlich,
wie insbesondere die Untersuchung Zettingers1) bestätigt
hat. Weiter hat Schmitz die Masse der theodorischen Bußbe-
stimmungen und deren zeitliche Entstehung genauer fest-
gestellt, die späte apokryphe Entstehung der alsPoenitentialien
Bedas und Egberts verbreiteten Bußbücher nachgewiesen
sowie die fränkisch - kanonische Sondergruppe von Poeni-
tentialen durch neue Funde ergänzt und in ihrer gegen-
seitigen Abhängigkeit klargestellt. Bekannt ist der Versuch
von Schmitz, hiebei für eine Gruppe von Poenitentialien
insbes. für das p. Valicellanum I und für das Bußbuch
Halitgars v. Cambrai (6. Buch seiner Kanonessammlung)
römischkirchlichen Ursprung aus der ersten Hälfte des 8. Jahr-
hunderts zu erweisen.
Die Unhaltbarkeit dieser Auffassung, die eine heftige
literarische Kontroverse und mehrere Nachträge vonSchmitz2)
') AaO. 8.525,528, 540. Fournier a. 0. VIII, 531. Es handelt sieh
um das p. Sangallense tripartitum und das p. Capitula Iudiciorum,
bei Schmitz II, 175 f., 204t. —2) Vgl. die Zusammenstellung bei Schmitz
II, 138 A. 2, 3. Hiezu Duchesne in Bulletin critique IV (1883), 365f.,
Fournier a.O. VI, 290 n.5. Schmitz hat in seinem zweiten Bande 8.139k.
allerdings die vorher (I, 174 t., 178) testgehaltene Auttassung, daß es
sich um ein in Rom entstandenes, autoritativ bestätigtes, weil dort
praktisch benutztes, und daher als gemeinkirchlich geltendes und ver-
breitetes Bußbuch handle, dahin abgeschwächt, daß die örtliche Ent-
stehung und Benutzung in Rom sowie die autoritative Anerkennung
seitens der römischen Kirche nicht das Wesentliche sei und auch nicht
behauptet worden sei, sondern daß das Beiwort Romanum „die con-
suetudo und Tradition der römischen Kirche in Beobachtung den kano-
nischen Regel“ bezeichne. Mehr hatten aber weder Hildenbrand a. 0.
8. 77, noch Wasser schieben Bußordnungen 8. 75 behauptet, denen
Schmitz 1,171 in dieser Richtung zustimmt, so daß die ganze Kontroverse
auf den nie bestrittenen Gegensatz von Bußbüchern allgemeinkirch-
lichen und einzel(national)kirehlichen Standpunkts zusammenschrumpft.

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