Full text: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte / Kanonistische Abteilung (1 (1911))

Westgot. u. kath. Auszüge d. 16. Buchs d. Theodosianus. 95
in der Provence hergestellte und nicht lange nach ihrem
Übergang in fränkische Herrschaft fallende Darstellung von
Theod. XVI bzw. von Theod. überhaupt erhalten hat. Wenn
sich nämlich in Theod. Einschaltungen finden, die auf die
Lex Romana Burgundionum und das Edictum Theodorici
zurückgehen1), könnte man annehmen, in diesen Stücken
residuäre Erscheinungen der Rechtsbücher vor sich zu haben,
die vor der Angliederung der Landschaft an das fränkische
Reich i. J. 536, womit auch der Anschluß an das Breviar
eingeleitet wurde, successive die Provence beherrschten.2) Für
Entstehung in der Provence spricht aber auch der Standpunkt
des Auszugs in Sachen der Häresien : er verrät südgallische
Herkunft, insofern er sich mit dem Breviar, tolosanischen
Ursprungs, von allen Ketzereien allein gegen die Manichäer
wendet (vgl. S. 79); er legt andererseits Entstehung auf einem
Gebiete von ganz überwiegender römischer Bevölkerung
nahe3), wenn er, trotz katholischen Bekenntnisses, unterläßt,
gegen die Arianer anzukämpfen.4) 5)
2. Was die Auszüge anlangt, die nicht zur Ergänzung
und Erweiterung des Breviars bestimmt waren, so liegt zu-
x) Ygl. M ommsen p. LXXVIII sub 3 u. 6. — 2) Sie gehörte von
500 bis 510 zum burgundiseben, seitdem bis 586 zum ostgotischen Reich,
so die Karte bei Dahn (vgl. 8. 733), III zu 8. 70, was freilich mit bezug
auf Burgund nur cum grano salis gilt. — 3) Vgl. Kiebner, Verfas-
sungsgesch. der Provence 8.27. — 4) Auch bei Aufnahme der Konstitution,
die sich gegen die Wiedertaufe wendet, braucht nicht an die Arianer ge-
dacht zu sein. Auch die Sekte der Bonosiaci oder Bonosianer, die im süd-
lichen Gallien und in Spanien während der Zeitläufte, in die die Anferti-
gung des Auszugs fällt, eine Rolle spielen, verlangten von den konvertieren-
den Christen eine zweite Taufe (vgl. Realencykl. f. prot. Theol.3 III,
314 f.). — ö) Bei Verwertung der aufgenommenen Texte zur Bestimmung
des Altersverhältnisses ist nicht mit dem Umstande gerechnet, daß der
Titel cDe monachis", der nicht allein im Breviarauszug, sondern auch in den
sonstigen Auszügen fehlt, aufgenommen ist. Man mag diesen Sach-
verhalt im Sinne einer Bestätigung der katholischen Tendenzen des
Produkts oder etwa auch zu der Annahme verwenden, daß es in einem
Kloster seinen Ursprung hat. Auffallend ist in dem katholischen Pro-
dukt die Aufnahme der ersten Konstitutionen des Titels (4) De his
qui supra religione contendunt’, da dieser Text sich dagegen wendet,
daß eine Religionsgemeinschaft sich ausschließlich geltend machen will.
Aus dem Fehlen der Breviartitel (3 u. 4), die von den Juden handeln,
wird man schwerlich etwas schließen dürfen.

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