4.
Zur Geschichte und zum Verständnis des Episkopalsystems
Müller, Karl
I.
Zur.Geschichte und zum Verständnis des Episkopal-
systems.
Von
Herrn Prof. D.Dr. Karl Müller
in Tübingen.
Noch immer ist, wie ich glaube, in der Auffassung des
Episkopalsystems nicht alles in Ordnung. Auch die letzte
Darstellung, die ich kenne1), befriedigt nicht. In der folgen-
den Untersuchung möchte ich die Frage neu erörtern,
mich aber allerdings auf das System, seine Anfänge und
seinen Sinn beschränken und mich nicht auf die an sich
bedeutsame Frage nach den Zusammenhängen einlassen,
in denen das System nach vor- und rückwärts steht. Dazu
fehlte mir die Zeit.
I.
Sehe ich recht, so hat Dicker das Verdienst, zuerst
neben Matth. Stephani auch die Schrift seines Bruders Jo-
achim, Institutiones iuris canonici, herangezogen zu haben.
Ich füge dem noch seine andere Schrift hinzu De iuris-
dictione Iudaeorum, Graecorum, Romanorum et ecclesiasti-
corum libri 4, aus deren viertem Buch manches zu lernen ist.2)
1) K. Rieker, Die rechtliche Stellung der evangelischen Kirche
Deutschlands. 1893. Bei ihm die frühere Literatur. Der Artikel der
Realenzyklopädie genügt gar nicht.
2) Die Institutiones sind wohl zuerst 1604 in Greifswald, in
zweiter Auflage 1612 in Frankfurt erschienen. J. F. v. Schulte, Ge-
schichte der Quellen usw. III 2, 30 erwähnt eine Ausgabe von 1599.
Aber die von 1612 nennt sich secunda editio, und die Vorrede zur
Ausgabe von 1604 erwähnt keine frühere. Die von 1612 scheint übrigens
Zeitschrift für Rechtsgeschichte. XXXIX. Kan. Abt. VIH. 1