Full text: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte / Kanonistische Abteilung (8 (1918))

Kanonistische Chronik.

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©rmüdlichstem Schaffen heraus hat ein unerbittliches Geschick den
Meister der Kirchengeschichte gerissen, den Sohn fränkischer Erde und
den deutschen Mann, den spürenden Forscher und umsichtigen Ge-
lehrten, den Künstler der schlichten und eben deshalb so eindrucks-
vollen Darstellung, den großen Verlebendiger des deutschen Mittelalters,
seiner Entwicklung in Staat und Kirche, seiner Tätigkeit auf allen Ge-
bieten geistiger und religiöser Kultur. Wenig mehr denn ein Menschen-
altei ist es her, seit er uns den ersten Band seiner ,,Kirchengeschichte
Deutschlands4‘schenkte, und mit immer steigender Kraft wußte er die
Fülle der Erscheinungen zu bannen, um seinen Gegenstand bis rund
zur Mitte des 14. Jahrhunderts zu erschöpfen. Vertraut mit den schier
unübersehbaren Quellen bis zur kleinsten herab erschloß er aus diesen
selbst die Vergangenheit, ihre Tendenzen und Kräfte, ihre Menschen
und Einrichtungen. Auf seine Schultern stellte sich der politische Histo-
riker und nicht zuletzt der Freund der kirchlichen Rechtsentwicklung:
auch sie zu erfassen war Haucks Trachten, genau wie in ihm und durch
ihn die Einzelpersönlichkeiten Fleisch und Blut gewannen, die in das
Gewebe kirchlichen Rechtes ihre Fäden schlugen. Die Zeit des hl. Bonifaz
und Karls des Großen, die des Investiturstreites und der Hohenstaufen,
die erste Hälfte des 14. Jahrhunderts —, sie alle sind erst unter dem
belebenden Hauche seines Geistes neu erstanden; sie alle hat der Ver-
ewigte gleichsam in seelsorgerische Pflege genommen: Welt- und Kloster-
klerus, Episkopat und geistliches Landesfürstentum sind durch ihn
greifbare Größen unseres Mittelalters geworden, nicht allein die Könige
und die Päpste, die Laiengroßen und die Kirchenfürsten, die Ordens-
gründer, die Mönche und Nonnen, die kirchlich Frommen und die Ketzer.
Nie hat Hauck seine Kräfte geschont, um auch im Kleinsten das letzt-
hin Wissensmögliche zu ermitteln, um gleichen Schritt zu halten mit
der Forschung, die zum guten Teil von ihm Anregung und Zielsetzung
erhielt. Jede neue Auflage eines Bandes war innerlich ein neues Werk
dank seinem Fleiße, dank seiner überallhin dringenden Mit- und Nach-
arbeit. So wird seine Kirchengeschichte Deutschlands immerdar die
Fundgrube der Erkenntnis zumal für den kirchlichen Rechts- und Ver-
fassungshistoriker bleiben, der unentbehrliche Rückhalt jeder weiteren
Forschung. Wertvolle Einzeluntei suchungen, die hoffentlich einmal
vereinigt werden — genannt seien die über die Bischofswahlen unter
den Merowingern (1883), über die Entstehung der bischöflichen Fürsten-
macht (1891), die Entstehung der geistlichen Territorien (1909), über
die Gedanken der päpstlichen Weltherrschaft bis auf Bonifaz VIII. (1904),
Deutschland und die päpstliche Weltherrschaft (1910), über die Rezeption
und Umbildung der allgemeinen Synode im Mittelalter (1907) —, sie
alle bereiteten die große Darstellung vor und begleiteten sie, eine jede
das Zeugnis auch der innerlich erwärmenden Teilnahme, die Hauck den
Problemen entgegenbrachte und in den Dienst seiner gelehrten Arbeit
stellte. Wir wissen nicht, ob sein Nachlaß Aufzeichnungen enthält, die
den fünften Band abschließen und ihn bis an die Schwelle der Refor-
mation zu führen gestatten (vgl. Haucks Studien zu Johann Huß 1916

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