Full text: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte / Kanonistische Abteilung (8 (1918))

Miszellen.

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der Überlieferung für die Geschichte von Clemens5 VII. Pontifikat emp-
findlichen Schaden zugefügt haben (vgl. S. 32*f.).
Der zweite Abschnitt der Einleitung über die Grundlagen des
päpstlichen Benefizialwesens und die Praxis der Stellenbesetzung zur
Zeit des großen Schismas (S. 43*ff.) ist für den kirchlichen Rechts- und
Verfassungshistoriker von besonderer Wichtigkeit. Man weiß, daß die
Geschichte des päpstlichen Stellenbesetzungsrechtes eine der am meisten
gelungenen Partien in dem großen Kirchenrecht von P. Hinschius
ausmacht1), daß seitdem zahlreiche Quellen Veröffentlichungen und Unter-
suchungen die schwierige Materie neuer Prüfung zugänglich gemacht
oder unterworfen haben.2) Göller zieht aus allen bisherigen Arbeiten
gleichsam die Summe, nicht so sehr nach der Seite der rechtsdogmati-
schen Ausdeutung hin als in der Absicht, die Verwaltung des Stellen-
besetzungsrechtes durch die Päpste bis in die Zeit des Schismas hinein
klarzulegen und sie durch eingehende Erörterungen über ihre Praxis
zu verdeutlichen. Der Umfang dieses Abschnittes macht die Wieder-
gabe seiner Disposition verständlich. Im ersten Kapitel wird die recht-
liche Entwicklung des päpstlichen Provisionswesens bis zur Zeit Cle-
mens5 VII. behandelt, in ihm die Besetzung der höheren Benefizien,
die Besetzung der niederen Benefizien und unter der letzteren wieder
die älteren Besetzungsformen, die allgemeinen Reservationen bis auf
Clemens VII. und die Kanzleiregeln dieses Papstes. Im zweiten Kapitel
wird der Geschäftsgang bei Verleihung von Benefizien und Gnaden-
bewilligungen an der Kurie dargestellt, und zwar zunächst das Suppliken-
wesen (die formale Gestaltung der Suppliken und ihre rechtlichen Vor-
aussetzungen; die äußere Ausstattung der Suppliken und ihre Expedition,
derart daß hier Suppliken und Supplikenformulare, Einteilung der
Suppliken, Einreichung der Suppliken und Stellung der Referendare,
Signierung der Suppliken, Datierung der Suppliken und Amt des Datars,
Registratur, Examen bei Verleihung von Benefizien zur Erörterung ge-
langen). Angeschlossen sind sodann Bemerkungen zum Geschäftsgang
bis zur Ausfertigung der Urkunden, und zwar über die Konzepte und
die Formulare für die Ausfertigung der Urkunden, die Anwendung be-
stimmter rechtlicher Formeln und Klauseln, über Expeditions- und
Taxationsvermerk, Registratur, Tätigkeit der Sekretäre, Camera apo-
stoliea und Expedition der Urkunden. Es leuchtet ein, einen wie viel-
seitigen Stoff dieser Abschnitt in sich birgt. Aus ihm erwächst eine Vor-
stellung vom Werden des päpstlichen Stellenbesetzungsrechtes, von der
Art seiner Handhabung und aller Subtilitäten des Geschäftsganges an
der Kurie, eine Vorstellung, die den Verwaltungsbehörden am Sitze
*) Bä. III (Berlin 1883), 8. 113 ff.
2) Vgl. die Bibliographie in meiner Verfassungsgeschichte2 8. 200 f.,
dazu H. Grauert, Magister Heinrich der Poet in Würzburg und die römische
Kurie (München 1912), 8. 281 ff. K. Rieder, Römische Quellen zur Zeit
der Konstanzer Bistumsgeschichte zur Zeit der Päpste in Avignon 1305—1378
(Innsbruck 1908), 8. XL ff. und die Zusammenstellung der Literatur über
die päpstlichen Register bei H. Brefilau, Handbuch der Urkundenlehre P
(Leipzig 1912), 8. 111 Anm. 4.

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