Full text: Volume (8 (1918))

Consuetudo legitime praescripta.

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kulare) Übung außer Kraft gesetzt werden, weil man auf
günstiges Recht (Begünstigungen) verzichten kann und —
wie wohl hierbei vorausgesetzt wird — ein solcher Verzicht
im Nichtgebrauch des Rechtssatzes gelegen ist. Ungün-
stiges, d. h. nicht im Interesse der Übenden, sondern der
Kirche geschaffenes Recht kann hingegen durch wider-
streitende Gewohnheit — Privileg! — nur mit päpstlicher
Genehmigung oder, was dem gleichsteht, durch Verjährung
erworben werden.1) Erklärlicher wird der ganze Gedanken-
gang und der Zusammenhang mit dem Privileg, wenn man
bedenkt, daß ein solches nach kirchlichem Recht eine Be-
günstigung gegenüber dem gemeinen Recht enthalten
müsse.2) Die vorstehende Ausführung tut nicht nur dar,

x) So Quaestiones Damasi bei Schulte, Literaturgeschichte S. 150
(siehe oben S. 161 Anm. 1). Die Anschauung des Genannten gibt Ho-
stiensis (Summa aurea, lib. I, tit. de consuet., n. 12 [col. 69]) ausführlich
wieder: ,,Damasus tamen hanc doctrinam tradidit in summa sua, quod
consuetudo inducta contra ins naturale, nullo tempore confirmatur ....
Si vero inducta sit contra ins positivum, introductum in favorem uten-
tium, tollitur ius per contrariam consuetudinem, quia licitum est renun-
tiare .... Sed si non sit inductum in favorem utentium, sed aliorum,
contraria consuetudine non tollitur ius, nisi consuetudo sit prae-
scripta .... Ubi autem consuetudo inducitur contra ius ecclesiae,
non praeiudicat, nisi confirmetur a Papa .... Non derogatur per con-
suetudinem contrariam quantumcunque praescriptam, nisi rationabilis,
nec per rationabilem, nisi legitime sit praescripta .... Nam et
malam [consuetudinem] assumunt impii pro privilegio .... Non
tamen de iure.“
a) Bernhard von Pa via (Summa, lib. V, tit. XXVIII, § 1 [Las-
peyres, Summa p. 254]; siehe oben S. 164 Anm. 5) erklärt allerdings
das Privileg als Zugeständnis „außerhalb des gemeinen Rechtes“
(extra ius commune), schränkt diesen Ausspruch aber später (ibid. § 4
[p. 255]) im Sinne vorstehenden Textes ein durch den Satz: „Inter pri-
vilegium autem et rescriptum hoc interest, quod privilegium datur
contra ius commune.“ Übrigens bemerkt Hinschiu s (Kirchenrecht III
S. 808) sehr richtig, daß auch ein Privilegium praeter ius ein Abweichen
vom gemeinen Recht und dadurch zugleich einen Widerstreit mit ihm
bedeutet. Ganz deutlich spricht Damasus, wenn er das Privileg als
„beneficium contra ius commune indultum“ erklärt. Ähnlich Hostiensis
(lib. V, tit. de priv., n. 1 [col. 1348]: „Quid sit privilegium. Et quidem
privatum sive singulare ius contra commune indultum. Nec enim est
privilegium, nisi aliquid indulgeat speciale.“ Lindner, Lehre vom
Privileg S. 17ff. — Als man anfing, günstige und belästigende (nicht:

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