Full text: Volume (8 (1918))

Die Säkularisation des Ritterstifts Odenheim in Bruchsal. 143
§ 7. Die letzten Stiftskanoniker in Bruchsal.
1. Stiftspropst Joseph Anton Sigismund Frhr. von Be-
roldingen, geboren 1738, erhielt 1774 vom Papst eine
Stiftspräbende, machte 1782 eine Wallfahrt nach Rom,
wozu ihm das Kapitel zwei Jahre Urlaub erteilte, wurde
1789 Stiftsdekan und im folgenden Jahre unter Verzicht
auf das Dekanat zum Propst gewählt.
Schon seit 1752 besaß er in Speier ein Domkanonikat
und später auch eines in Hildesheim. Seit 1790 lebte er
in Hildesheim, den vielfachen Plagen seiner Chorbrüder
am Rhein entrückt.
Nach der Säkularisation erhielt er von Baden als Stiftspropst
2800 Gulden und als Speierer Domkapitular 3750 Gulden Pension. Auf
die Verfügung aus Karlsruhe 1810, als badischer Pensionär müsse er
im badischen Lande wohnen, schrieb er an den Großherzog (22. Sep-
tember 1810): Diese Verfügung würde ihm, dem 72 jährigen, abgelebten
und vom Alter geschwächten Manne, der seit acht Jahren am Speierer
Dom Jubilar und daher nach den Statuten von der Residenz befreit
sei, die immer mehr nötige Ruhe und zeitliche Glückseligkeit wesentlich
stören. Er müßte die angewöhnte Wohnung, wo er den Tod erwarten
wollte, und den vieljährigen Aufenthalt verlassen und jährlich eine so
weite und beschwerliche Reise machen. Er setze sein volles Vertrauen
auf die oft und viel bezeugten vorzüglichen Gnaden, die Serenissimus
ihm in jüngeren Jahren erwiesen habe, und hoffe, man werde mit ihm eine
Ausnahme machen, damit er seine, dem Großherzog seit langer Zeit be-
kannten Studien fortsetzen könne. Darauf eröffnete ihm das badische
Kabinettsministerium zur Beruhigung (1. November 1810): Bei Erlaß
der betreffenden Verordnung seien bereits diejenigen nach den bekannten
milden Grundsätzen S. K. Hoheit ausgenommen worden, die das 65. Jahr
zurückgelegt haben. Daher werde ihm die Pension unverkürzt ins Aus-
land weiter verabfolgt werden. Beroldingen starb in Hildesheim am
22. Februar 1816. Aus seinem Nachlaß wurden 400 Gulden wegen des
Kirchenbaues in Heidelsheim deponiert, da der lange Streit mit dem
Speierer Domkapitel in dieser Sache noch nicht erledigt war.
2. Stiftsdekan Alexander Franz Frhr. von Wessen-
berg.1) Geboren 1733, erhielt er schon mit 12 Jahren durch
kaiserliche Preces die Anwartschaft auf eine Dompräbende
in Speier, wo er 1761 Kapitular und 1772 Dompropst wurde.
Als solcher besaß er ein Einkommen von rund 7000 Gulden,
die Kollation mehrerer Pfarreien, einer Sextpräbende an
x) GLA Akten Br. St. 366 und 421.

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