Full text: Volume (8 (1918))

Die Säkularisation des Ritterstifts Odenheim in Bruchsal. 137
der Gegenstand der Vorstellung der Stiftsmitglieder gegen oben ab-
geführte Ministerialverfügung. Das Beispiel anderer Staaten dürfe in
dieser Sache nicht von Einfluß sein, da es darauf ankomme, „ob diese
Staaten sich durch Verträge und inwiefern verbunden haben. Sollten
sie sich auch wirklich über eingegangene Verpflichtungen hinausgesetzt
haben, so kann ich mich nicht an den Gedanken gewöhnen, daß auch die
Großherzogi. Regierung sich dadurch zu gleicher Willkür und Unrecht
autorisiert glauben sollte."
Kürzer, aber ebenso entschieden trat Gottfried von Guttenberg
Schütz an die Seite.1) Er müsse gegen die Verfügung vom 12. Oktober
1810 vorstellig werden, da dieselbe „unserm mit 8. K. Hoheit dem
Großherzog den 15. Juli 1803 abgeschlossenen Sustentationsvertrag gänz-
lich zuwider ist, wo es heißt, es bleiben die sämtlichen Stiftsglieder ver-
bunden, alljährlich die gewöhnliche Residenzzeit in dem kurfürstlichen
Lande zuzubringen. Ich lege einen zu großen Wert auf die Unterschrift
eines gnädigen Landesherrn, welche ein feierlich gegebenes Wort be-
zeichnet, als daß ich mich überzeugen könnte, daß es recht sei, ein solches
so leicht zu verletzen. Meine Bitte geht demnach an ein hochpreißliches
Finanzministerium, die Ritterstift-Odenheimischen Mitglieder bei ihrem
Sustentationsvertrag zu schützen, indem dieselben sich sehr ungern in
die Lage gesetzt sehen möchten, ihr Recht bei einer Justizstelle richter-
lich entscheiden lassen zu müssen."
Das Finanzministerium (Kassendepartement) beschloß, diese beiden
Schreiben der „verstärkten Ministerialberatung zur höchsten Würdigung
und Resolutionserteilung originaliter vorzulegen". Das Generaldirekto-
rium war mit der Vorlage einverstanden, fügte aber bei, „daß man keinen
Grund finde, von der hierüber erteilten Resolution wieder abzugehen".
Das Referat hatte Schmitt. Er erkannte an, daß „bei den in der
Mitte liegenden Verträgen und dadurch begründeten Spezialtiteln die
bemerkten Stiftsmitglieder unter der Regel nicht begriffen werden können?
welche die hohe Ministerialentschließung vom 12. Oktober v. J. auf-
stellt". Es könne nur die statutenmäßige und gewöhnliche Residenz-
zeit in Frage kommen. Gemäß diesem Antrag erfolgte am 5. März 1811
im Namen des Großherzogs die Entschließung, wonach „der Aufenthalt
im Lande nach der Dauer der jedem Kapitularen der beiden Stifter vor-
hin obgelegenen kanonischen Residenz bemessen und von ihnen jedes
Jahr nur ein so langer Aufenthalt im Lande verlangt werde, als ihre
ehemalige Residenzzeit gedauert hat, wobei jedoch auf früher etwa
höchsten Orts erteilte Dispensationen alle Rücksicht genommen wer-
den soll".
Um „die kanonische Residenz" festzustellen, verlangte das Finanz-
ministerium von Landvogt Gassinone in Bruchsal Bericht, den dieser
nach Rücksprache mit Gärtler lieferte.2) Er zitierte zunächst die Be-
stimmung des Tridentinums sess. 24 cap. 12 de reform. und fügte bei:
„In praxi scheint aber diese mit so viel Geist der Legislation und Kirchen-

l) 19. Dezember 1810.

a) 9. April 1811*

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