Full text: Volume (8 (1918))

Die Säkularisation des Ritterstifts Odenheim in Bruchsal. 105
6. April 1807 kam die Entschließung aus Karlsruhe: Die
Hofkirche sollte, so lang der Fürstbischof lebte, für den
evangelischen Gottesdienst nicht gebraucht, doch „die 8. K.
Hoheit zu Eigentum angefallene Stift Odenheimische Kirche
zum evangelischen Gottesdienst genommen werden, jedoch
unbeschadet des durch ein ehemaliges ritterstiftisches
Faktum darin eingenommenen katholischen Pfarrgottes-
dienstes, soweit er neben jenem schicklich eingeteilt werden
kann, wogegen, wenn der Zeitpunkt zum Antritt des evan-
gelischen Gottesdienstes in der Hofkirche erscheint, da-
gegen diese I. K. Hoheit angehörige ehemalige Stiftskirche
zum katholischen Gottesdienst ganz abgegeben werde".
Sofort sollte die Einleitung zum Simultaneum in der Stifts-
kirche getroffen werden.1) Als das Vikariat dem Bischof
hiervon Kenntnis gab, schrieb er:
„Celsissimus bleiben Ihren Pflichten und Ihrer schon längst ab-
gegebenen Erklärung stets treu und können zur Einführung des Simul-
taneums in einer katholischen Pfarrkirche niemals beistimmen, wenn es
keine wirkliche Not erheischt. Indessen, so wenig die Befugnis des zeit-
lichen Landesregenten zu bezweifeln ist, den Angehörigen seiner eigenen
Religion eine freie Gottesverehrung gestatten zu können und ihnen hiezu
einen schicklichen Ort anweisen, bauen oder hersteilen zu lassen, ebenso
entschieden ist es und bleibt mit den beruhigenden Erklärungen schwer
zu vereinbaren, mittelst eines übermächtigen Eingriffs in die rechtmäßi-
gen Befugnisse anderer Religionsverwandten, selbe beschweren, verkürzen
oder gar beeinträchtigen zu wollen.“ Doch die schwache Stimme des
Bischofs werde nicht mehr gehört und alle seine Gegenvorstellungen
seien fruchtlos.2)
Auch bei den Protestanten fand das beschlossene Si-
multaneum der Stiftskirche wenig Anklang. Die Markgräfin
äußerte, sie werde „die Stiftskirche als eine sehr ungesunde,
feuchte und dunkle Kirche, in welcher sich nicht einmal
ein schicklicher Stuhl für sie und ihren Hofstaat einrichten
ließe, nicht betreten und wünschte zu ihrem Gebrauch
insolang, bis die Evangelischen in den Besitz der Hofkirche
treten, die bisherige protestantische Hofkapelle beizubehal-
ten".3) Damit war und blieb das Simultaneum der Stifts-

1) GLA. Akten Br. St. 459.
2) Vikariatsprot. vom 12. August 1807.
*) GLA Akten Br. St. 458.

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