Full text: Volume (8 (1918))

Die Säkularisation des Ritterstifts Odenheim in Bruchsal. 95

ob sie nur zufällig ebenso einer Präbende annektiert worden wäre, wie
verschiedene dem Domkapitel Speier ursprünglich nicht einverleibte
Benefizien . . . Aus dem Stift selbst originiert und aus dem Kanonikat
selbst der Doktoralpräbende sproßt als ein in solches inbegriffenes Stifts-
amt die Prädikatur. Das Stiftsamt derselben samt der Doktoralprä-
bende hat mit dem Stift aufgehört und damit auch der aus Stiftsmitteln
demselben zugewiesene Bezug der Nutzungen . . . Wenn man gar die
Prädikatur zu einem beneficium curatum machen will, so ist darin noch
weiter gefehlt. Die Prädikatur ist nichts anderes, als ein Stiftsoffizium
eines Präbendaten . . . Wenn übrigens das Predigeramt von einigen
Schriftstellern ein beneficium quasi curatum genannt wird, so beweist
eben dieses, daß es kein wirkliches curatum sei, denn wenn ein Begriff
nur quasi auf etwas paßt, so folgt daraus, daß er nicht wirklich darauf
paßt." Gärtler habe bei den Verhandlungen 1803 ,,den Versuch ge-
macht, mit der Behauptung, die Prädikatur sei ein beneficium curatum,
der Dezimation zu entgehen", habe aber auf Herzogs Entgegnung ,,ohne
weiteres auf seine Behauptung verzichtet, und er war ein angesehener
Matador unter den Kanonisten".1)
So Herzog, der sich damit in auffälligen Gegensatz
zu der wirklichen Sachlage setzte, jedoch seiner Vergangen-
heit2) und Art durchaus treu blieb.

x) Schreiben vom 27. April 1819.
2) Ernst Sigismund Herzog, geboren in Durlach 1747, wo sein
Vater Postmeister war, begann die badische Beamtenlaufbahn 1774 als
Rentkammerassessor. 1788 veröffentlichte er ,,Briefe über die Mark-
grafschaft", in denen er vielfach scharfe Kritik übte und die Auf-
merksamkeit auf sich lenkte. Bald darauf (1790) wurde er Hofrat und
zwei Jahre später Geheimer Hof rat und Direktor des Hofratskollegiums.
1796 begleitete er die Armee Moreaus als Landeskommissar. Nach Be-
endigung der Angliederung des Fürstentums Bruchsal wurde er 1803
Geheimer Rat mit Sitz und Stimme im Geheimratskollegium und dem
Finanzdepartement zugeteilt. Seine ausgesprochene Neigung zur Kritik,
die er gelegentlich auch an den damaligen Vorrechten des Adels in der
Verwaltung übte, konnten ihm bei seinem Chef, dem Minister Heinrich
von Gayling, Gewogenheit nicht erwerben. Nach Errichtung des Rhein-
bundes wurde Herzog Gesandter beim Bundestag in Frankfurt (25. Au-
gust 1806). Die neue Ministerialverfassung von 1808 unter Minister
von Dalberg degradierte ihn vollends vom Geheimen Rat zum Geheimen
Referendar und nahm ihm den Titel Exzellenz. Auch den Gesandt-
schaftsposten fürchtete er zu verlieren. ,,Ohnehin ein galliger Mann",
ehrgeizig und gern den Verkannten spielend, haßte er Dalberg und ließ
sich zur Mitwirkung an dem abenteuerlichen Komplott Stemhayn bereit
finden, das beinahe zum Staatsstreich wurde und ihn zu nichts weniger
als zum Kabinettsdirektor in Aussicht nahm. Als Erbprinz Karl,

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer