Full text: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte / Kanonistische Abteilung (2 (1912))

Die Eanones von Sardika.

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im lateinischen Text auf, daß derselbe keine Schlußklausel,
universi dixerunt: placet oder synodus respondit: placet oder
dergl. enthalte.1) Die Annahme, daß dieselbe vielleicht aus
Versehen von einem späteren Abschreiber weggelassen worden
war, erschien mir nicht leicht möglich, da im griechischen
Texte die Schlußklausel gleichfalls fehlte. Ich glaubte also
annehmen zu dürfen, daß schon der Urtext dieses Kanons
ohne Schlußklausel gewesen sei. Sollte dies ein Zeichen
der Unechtheit sein? Hatte Friedrich also vielleicht doch
nicht Unrecht, wenn er diesen Kanon als eine Fälschung,
die erst später hinzugekommen war, erklärte?
Diesen der Form entnommenen Zweifel an der Echt-
heit des Gaudentiuskanons beseitigte die Erwägung, daß ein
Fälscher, dem es daran gelegen war, einen sardizensischen
Kanon anzufertigen, gewiß die nötige Vorsicht, namentlich
in der Beobachtung der Form, gebraucht hätte und nichts
von der gewöhnlichen Form der Kanones Abweichendes ge-
schaffen haben würde.
Meine Wahrnehmung hinsichtlich des Fehlens der
Schlußklausel erschien mir mit Rücksicht auf die Anfangs-
worte des Gaudentiuskanons von Bedeutung; denn dieser
Kanon hebt mit den Worten an: Addendum, si placet,
huic sententiae, quam plenam sanctitate protulisti. . . .
Der Vorschlag des Gaudentius bezeichnet sich also als
ein bloßer Zusatz zu der im vorangehenden Kanon 3 ge-
machten Proposition des Osius. Das Fehlen der Schluß-

*) Kanon 4 lautet.
Lateinisch nach Dionysius Exiguus: Gaudentius episcopus dixit:
Addendum, si placet, huic sententiae, quam plenam sanctitate protu-
listi, ut, cum aliquis episcopus depositus fuerit eorum episcoporum
iudicio, qui in vicinis locis commorantur, et proclamaverit agendum
sibi negotium in urbe Roma, alter episcopus in eius cathedra post
appeiationem eius, qui videtur esse depositus, omnino non ordinetur,
nisi causa fuerit in iudicio episcopi Romani determinata.
Griechisch: ravdsvziog hniaxonog sijisv' EI doxsT, avayxaTov ttqoots-
ftrjvai zamfl zfj anotpaasi, tfvziva aydntjg slXixgivovg nX^Qtj ijgevrjvoxag,
woze iav zig inlaxonog xa&aiQS&fj zfj xqiosi zovzmv zcov etuoxotioov zenv iv
ysitviq zvy%av6vz<ov, xal qxxoxf) naXiv eavzcjj oaioXoyiag ngay^a imßdXXeiv,
hV xqozsqov sig zijv xa&edgav avzov Szsqov vnoxazaozrjvat, iäv firj 6 zrjg
Pa>fiai(ov iniaxonog htiyvovg neq'i zovzov Sqov iisviyxf).
Zeitschrift für Rechtsgeschichte. XXX11I. Kan. Abt. II.

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