Full text: Volume (2 (1912))

13.15. Rodenberg, Carl, Staat und Kirche im Mittelalter

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Literatur.

C. Rodenberg, Kirche und Staat im Mittelalter und die
Entstehung der sogenannten Landeskirchen des 15. Jahr-
hunderts. Sonderabdruck aus den „Beiträgen und Mit-
teilungen des Vereins für Schleswig-Holsteinische Kirchen-
geschichte" Bd. 5, 1911, 8. 129 ff.
Wir dürfen nicht unterlassen, die Leser unserer Zeitschrift auf
den Abdruck eines Vortrags aufmerksam zu machen, den C. Roden-
berg am 6. Juli 1910 in der Generalversammlung des Vereins für
Schleswig-Holsteinische Kirchengeschichte gehalten hat. Gedrängte
Kürze verbindet sich mit schlichter Sachlichkeit, und Ausführungen
von eindrucksvollster Wirkung begleiten die Entwicklung des Verhält-
nisses von Staat und Kirche von den Tagen eines Konstantin des Großen
an bis zum Vorabend der deutschen Reformation. Sein Urteil ist das
ruhig abwägende des Historikers, der den neueren Forschungen nament-
lich über die Ansätze der territorialen Kirchen auf deutschem Boden
im späteren Mittelalter mit Interesse folgte, und mit erfreulicher Be-
stimmtheit stellt R. sich auf die Seite derer, die wie z. B. H. von Srbik
das Vorhandensein von Landeskirchen im strengen Rechtssinne als den
Schöpfungen der Fürsten bestreiten. Nur an einer Stelle möchte der
Vortrag eine Lücke aufweisen: 8. 13 des Sonderabdrucks ist von alten
und später hinzu erworbenen Patronatsrechten des Landesherren die
Rede, aber sie schweben etwas in der Luft, da ihr Ausgangspunkt, das
germanische Eigenkirchenrecht, nirgends erwähnt wird. Mit allzu-
knappen Strichen wird 8. 5 das Verhältnis von Staat und Kirche in
der Zeit von Karl dem Großen bis auf Gregor VII. geschildert, es will
jedoch nicht ganz genügend erscheinen, wenn es dort heißt: „Mit dem
römischen Geiste war in die Kirche auch das Bewußtsein eingezogen,
daß sie dem Staate zu gehorchen verpflichtet sei; denn man hatte nie
etwas anderes gesehen; und diese nicht weiter diskutierte Empfindung
hat alsdann mit starker Tradition durch lange Jahrhunderte im Klerus
fortgewirkt. Daher konnten die Herrscher der neuen germanischen
Reiche die Kirche ihrer Länder ohne Schwierigkeit in feste Abhängig-
keit bringen1). Ihre Gegenleistung war, daß sie die Fürsorge für die
Kirche und den Schutz und die Förderung der christlichen Religion
auf sich nahmen; Gewalt und Pflicht entsprachen einander. Ihre
kräftigste und eigenartigste Ausprägung hat diese Vereinigung von
weltlicher und geistlicher Autorität in dem mittelalterlichen Kaisertum
empfangen. Als Kaiser sind Karl der Große, Otto der Große, Heinrich III.
unbestritten die leitenden Personen in der abendländischen Welt und
Kirche gewesen. Das Papsttum konnte ihnen keine Konkurrenz machen,

1) Es möge erlaubt sein, hier an eine bezeichnende Äußerung Bismarcks
in seiner Rede vom 12. Mai 1882 zu erinnern. In Heinrich IV., meinte er,
steckte das germanische Arianerblut, und die Art, wie er sich benahm,
nachdem er aus dem Bann getan war, gibt darüber vollständige Klarheit"
(Reden hrsg. von H. Kohl IX, Stuttgart 1894, S. 361).

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