Full text: Volume (2 (1912))

Literatur.

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Ersatz gab; andererseits wollte Hadrian die Werke fleißiger Roder
nicht belasten.
Noch anders verhielt sich anfangs Alexander III. Er griff auf
die ältere Zehntfreiheit generell für ganze Orden zurück; so für die
Ritterorden, für die Cisterzienser (Erlaß: „Audivimus et audientes)* —
nicht für die Prämonstratenser. Aber diese Politik war angesichts der
berechtigten Klagen des Episkopats unhaltbar. Das Privilegium com-
mune des 13. Jahrhunderts kennt nur die Freiheit von Neubruchzehnten.
8. Schon in diesem Einzelfall zeigt die Politik des im Schisma
stehenden Papstes Alexander III. eine stärkere Neigung zu der
Macht der Orden; davon ist auch sonst zu berichten. Im großen ge-
sehen aber liegt das Bedeutende seiner kanonistischen Wirksamkeit
doch in einer Rechtbildung allgemeinerer Art. Wir können unsere Über-
sicht mit einem Hinweis auf die großen Rechtsordnungen dieses Papstes
schließen, in die auch bei Schreiber fast jedes Kapitel und jeder Para-
graph ausläuft.
Kardinal Roland, Papst Alexander III. gehört in der deutschen
Geschichte nicht zu unsern Lieblingsfiguren; in der Geschichte des
Kirchenrechts wird man seiner überall und tief eingreifenden Art einen
Ehrenplatz nicht versagen. Von dem Fiskalismus des späteren 13.,
14. und 15. Jahrhunderts ist die Kurie noch frei; sie erntet die Erfolge
des großen Kirchenstreits, ohne zunächst ihre wachsende Macht zu
mißbrauchen.
Alexander hat gewissen Formeln ihren festen Inhalt, ihre regel-
mäßige Anwendung gegeben zur Klärung differenzierter Institute. Das
specialiter, das sich bis dahin auf den Eigenkirchencharakter bezog,
verallgemeinerte er nach Entwertung des Eigenklosterverhältnisses auf
die wichtigere Eigenschaft der Exemtion, fügte nur zur weiteren Be-
kräftigung noch das nullo mediante hinzu.
Wo die Exemtion noch nicht vollzogen war, aber nahelag, vollzog
er sie, so bei den Cisterziensern und Templern (I 97). Dem entsprach
das Vordringen der Klausel salva sedis apostolicae auctoritate an Stelle
des bischöflichen Vorbehalts, die Befreiung der Cisterzienser von den
Diözesansynoden und von dem Druck unliebsamer Folgerungen aus der
Obedienzleistung gegen den Bischof (138), der Generalindult an die
Äbte zur Ablehnung von Forderungen, die gegen die Regel verstießen
(I 143), das Verbot des Kirchenbaus im Umkreis von */2—1 Lenge um
das Kloster, salva sedis apostolicae auctoritate (II 7), ja sogar die Aus-
dehnung der Erlaubnis zur Abhaltung von Gottesdiensten während des
Interdikts auf Nichtexemte (I 203).
Wenn er somit die Jurisdiktion der Bischöfe über nichtexemte
Klöster stärken wollte (1203), so erlebte er doch immer häufiger Ap-
pellationen an die Kurie, und wenn er andererseits (124) das alte Recht
der freien Abtwahl (als iuris communis) verkündete, so mischte er sich
doch nicht selten in Doppelwahlen ein (117) und gestattete als erster
den Bischöfen in nichtexemten Klöstern ein Provisionsrecht bei Verfall
der Wahlfrist (1117). Wie er das Patronat als jus praesentationis mit

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