Full text: Volume (2 (1912))

Literatur.

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im IQ. und 11. Jahrhundert auch weltliche Herren, ihre Gründungen
teils aus religiösem Eifer, mehr noch zur Sicherung ihrer Familien-
begräbnisse und der Ertragfähigkeit ihres Vogteirechts dem römischen
Stuhl zu übergeben (1 17). Daß dabei von einer Vermittlung durch
die Bischöfe schon nicht mehr die Rede ist. zeigt wie stark diese in
der Freiheit des Eigenkirchenrechts schon ausgeschaltet waren (I 13).
4. ln der Frühzeit der Reform spielte das päpstliche Kloster
und lange noch die Zuweisung päpstlicher Eigenklöster an Reform-
klöster eine wichtige Rolle (l 22). Im übrigen wird die Reformzeit
durch Neubildungen im Ordensleben, aber auch im kurialen Kloster-
recht charakterisiert.
Unter den wichtigen Privilegien von Cluny nimmt einen hervor-
ragenden Platz ein dasjenige Johanns XI. von 931, daß Cluny Mönche
aus andern Klöstern aufnehmen dürfe, die sich nach dem regulären,
d. h. nach einem strengeren Leben sehnen (J. L. 3585).x) Seitdem ist
Cluny anerkanntes Asyl für die Reformlustigen, und die häufige Erneue-
rung des Privilegs sowie die Klagen der Gegner zeigen, daß das sehr
reelle Bedeutung hatte (II 337). Im Verlauf des 10. und 11. Jahrhun-
derts wurde das Mutterkloster weiter mit dem höchsten Maß der da-
maligen Freiheiten bedacht, die schließlich in dem Privileg Pasehals II.
(J. L. 5845) gipfelten, wonach ..jede bischöfliche Strafgewalt über die
Mönche, Novizen, Oblaten und die Familia des Mutterklosters“ ruhen
sollte, dieses „auch bei Zeiten des allgemeinen Interdiktes gottesdienst-
liche Funktionen vornehmen dürfe“ (1 75). Was das bedeutet, ermißt
man wieder aus dem Vergleich mit der Reichenau, die zwar als exemtes
päpstliches Kloster sich aller denkbaren älteren Begünstigungen
erfreute, aber vergebens die Jurisdiktion über seine Familia auch nur
in dem beschränkten Bereich der kleinen Insel anstrebte. P. Urban II.
behielt 1089 und nochmals 1095 dem Bischof ausdrücklich vor episco-
palem potestatem super clerum et populum Augiensis insulae praeter
monachos.* 2) Das Privileg aber, „zur Zeit des Lokalinterdiktes im
Kloster Gottesdienst zu halten“, war eine Rechtsbestimmung „allein
aus dem Willen des päpstlichen Gesetzgebers geflossen“, gewiß
„komplementär zur Befreiung von der Strafgewalt des Ordinarius“, und
doch in ihrer praktischen Wirkung von überaus weittragenden Folgen
(I 207 ff.), worauf weiter unten wieder zurückzukommen sein wird.
Am meisten beachtenswert ist nun die Stellung der Kurie zu der
Neubildung, die Clunys Äbte in großartigerem Stile, als einst etwa
Benedict von Aniane, ins Leben riefen, zu den abhängigen Klöstern
und Prioraten. Sie bestärkte Cluny in der einheitlichen Organisation
seines Verbandes durch gleichartige Privilegien, die sich etwa durch
die Formel charakterisieren: quemadmodum caetera coenobii membra sub
- ) Schreiber spricht II 337 nur von den späteren Privilegien PasehalsII.
und zieht auch nur zögernd den Schluß auf die allgemeine Gültigkeit. In
einer Arbeit über das Klosterwesen des 12. Jahrhunderts, das Clunys Nieder-
gang erlebte, kommt überhaupt die frühere Reformzeit leicht zu kurz. —
2) Quellen und Forschungen I 78.

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