Full text: Volume (2 (1912))

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Literatur.

ist später gerichtet gegen Laien wie gegen Bischöfe, doch sieht schon
die Benediktinerregel den Fall vor, daß eine zuchtlose Kongregation
sich einen ebensolchen Abt wähle und diese Wahl zur Kenntnis des
Bischofs (episcopi, ad cuius dioecesim pertinet locus) vel ad abbates aut
Christianos vicinos gelange, daß diese dann das Übel fernhielten und
domus dei dignum constituant dispensatorem. So blieben auch die Privi-
legien des 10. Jahrhunderts, von denen Lerche mehrere anführt: nötigen-
falls einen Abt von auswärts zu berufen, auf dem Boden der Regel;
nicht minder diejenige, die Korbe 8. 12 anzieht, in denen die Beratung
des Bischofs erwähnt wird.
2. Von dem damit umschriebenen normalen Zustand ist nun be-
kanntlich die römische Kurie in einzelnen Fällen schon im 7. Jahr-
hundert abgewichen durch Entbindung bestimmter Klöster (auch in ent-
legenen Gebieten) von der Jurisdiktion des Diözesanbischofs und ihre
Unterstellung unter die Jurisdiktion von Rom. Der erste derartige
Fall betraf Bobbio (628^, dessen von Honorius I. ausgestelltes Privileg
in der Formel 77 des Liber diurnus, dem „Privilegium monasterii in
alia provincia constituti“ wiederkehrt: petis, ut monasterium — privi-
legia sedis apostolicae largiamur, quatenus sub iurisdictione sanctae nostrae
cui deo auctore deservimus ecclesiae constitutum, nullius ecclesie iuris-
dictionibus submittatur; — — et ideo omnem cuiuslibet ecclesiae sacer-
dotem in prefato monasterio dicionem quamlibet auctoritatemve extendere
atque sua auctoritate, nisi a praeposito monasterii fuerit invitatus, missa-
rum sollemnitates celebrare omnimodo inhibemus (ed. Sickel S. 82). Diese
schon in der alten Formel 32 des Liber diurnus vorkommende Ver-
fügung enthält den Kern des Begriffes Exemtion.1) Es ist nun, wie
oben schon angedeutet, ein besonderes Verdienst von Schreiber, diesen
Sinn streng festgehalten zu haben. Allerdings ergibt sein eigenes
Material (wie dasjenige von Lerche und Blumenstok), daß praktisch
der Begriff* der Exemtion eben dadurch bald erweitert worden ist, daß
gerade den exemten Klöstern weitergehende Privilegien erteilt wurden
oder die Grenzen der bischöflichen Gewalt zugunsten dieser Klöster
immer enger gesteckt wurden. Praktisch befindet man sich also hier
einer großen Mannigfaltigkeit von Rechtsformen gegenüber, die um
so mehr die klare Übersicht verwirrt, als geringere Einzelzugeständ-
nisse an Exemte hier und da auch an Nichtexemte verliehen wurden,
Schreiber hebt, außer dem alten Verbot des Lesens öffentlicher Messen
im Kloster, noch hervor das Verbot an Bischöfe im Kloster Quartier
zu nehmen (I 191,192), beliebige Anordnungen zu treffen, Abgaben zu
erheben. Die Entziehung des Klostervermögens aus der Verfügung der
Bischöfe könnte fast als selbstverständlich gelten, ist es aber offenbar
nur für die Exemten in vollem Umfange (II 237). Die größte Schwierig-
keit für die moderne Forschung liegt in der schwankenden Behand-
lung derselben Klöster in bezug auf ihre Exemtion und deren Umfang.
J) Das Wort ist der älteren Zeit gar nicht geläufig; wenige Fälle ver-
zeichnet Schreiber I 28, 29 in der Anmerkung.

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