Full text: Volume (2 (1912))

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Literatur.

und antikem Mönchtum in weitgespanntem Rahmen zu verfolgen, ist
zu meinem Leidwesen bisher nur in den ersten Kapiteln ans Licht
getreten als Abhandlung über langobardisch-fränkisches Klosterwesen
in Italien (Diss. Göttingen 1907). Gerade die bisher ungedruckten
Kapitel der Arbeit hätten viel deutlicher als die anders orientierte
Darstellung von Gaye, L’Italie meridionale et l’empire byzantin (1904),
die Gegenwirkung des griechisch - orientalischen Mönchtums auf die
fränkisch-römische Form des Klosterwesens hervortreten lassen. Der
Gegensatz ist ähnlich dem der Iren gegen die fränkische Kirche,
über den zuletzt Levison eine Studie veröffentlicht hat (Hist. Zt. 109,
1912). Bald nach Graßhoffs Buch widmete K. Voigt in engerem Sinn
unter Gesichtspunkten des Eigenkirchenrechts den königlichen Eigen-
klöstern im Langobardenreich seine Habilitationsschrift (Gotha 1909),
um sich dann derselben Materie in dem größeren und schwierigeren
Zusammenhänge der fränkischen Reichskirche zuzuwenden. Aus der
Begründung des Klosterwesens bei den Sachsen hat Joh. Heineken
die Anfänge der Frauenklöster (Diss., Göttingen 1909) herausgehoben,
wobei noch stärker als bei K. H. Schäfer (Die Kanonissenstifter im
deutschen Mittelalter, Stuttgart 1907) eine überaus weitgehende Freiheit
dieser Abteien in bezug auf die Regel hervorgetreten ist, die gleichwohl
die Erhebung dieser Stifter zu Reichsabteien im Kreise sonst benedik-
tinischer Observanz nicht gestört hat; doch bleibt in bezug auf den
Reichsfürstenstand der Äbtissinnen noch manches aufzuklären, worüber
eine Göttinger Dissertation sich in Vorbereitung befindet.
Fast alle diese Arbeiten galten den früheren Jahrhunderten der
Reichsverfassung und ließen deshalb weniger fühlbar die größte Lücke,
die auf dem ganzen Gebiet noch klaffte: die mangelhafte Erforschung
der römischen, der kurialen Klosterpolitik. Zwar besaßen wir die
Arbeiten von A. Blumenstok über den päpstlichen Schutz im
Mittelalter (1890), von A. Hüfner über klösterliche Exemtionen (Arch.
f. kath. Kirchenrecht 86, 87), Köstler, Huldentzug als Strafe (Kirchen-
reclitl. Abh. Heft 62. 1910) und die Zusammenstellung von W. Kraaz
über die päpstliche Politik in Verfassungs- und Vermögensfragen
deutscher Klöster im 12. Jahrhundert (Diss., Leipzig 1902), allein diese
Arbeiten hatten ihre engen Grenzen oder sehr bestimmten Mängel. Da
brachten die letzten Jahre fast gleichzeitig die Abhandlungen von
O. Lerche über die Privilegierung der deutschen Kirche durch Papst-
urkunden bis auf Gregor VII. (Arch. f. Urk.-Forsch. 8, 1911), C. Korbe,
Die Stellung Papst Urbans II. und P. Paschalis’ II. zu den Klöstern
(Diss., Greifswald 1910) und endlich das gelehrte und gehaltvolle Buch
von Georg Schreiber über Kurie und Kloster1), das den eigentlichen
Anlaß gegeben hat zu diesen Zeilen.
ungedruckten Kapitel II 2: Wanderungen der sizilianisch -kalabresischen
Basilianerwönche im 10. Jahrhundert, und II 3: Die Eremitenbewegung in
Mittelitalien bis zum Tode Guidos von Pomposa.
Schreiber disponiert seinen Stoff durch die zwei Bände vollkommen
systematisch in folgenden sechs gleicbgeordneten Abschnitten: 1. Schutz und

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