Full text: Volume (2 (1912))

Literatur.

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tige zu treffen/der wenigstens in a einem entscheidenden Punkte, näm-
lipli p* der Lösung von Widersprüchen durch Annahme verschiedener
Jptedfeiilungen des nämlichen Wortes, die Anwendung eines spezifisch
Äpa^elafdischen Grundsatzes bei Grati an wiederfindet, wenn er auch im
übrigen, wie Grabmann, die Abhängigkeit Gratians von früheren Ka-
nonisten und von Alger von Lüttich zur Erklärung seiner Methode für
ausreichend und eine direkte Entlehnung aus Abaelard noch nicht für
erwiesen hält. Daß der „dialektische Einschlag“, den Abaelard der
„von Haus aus kanonistischen Sic-et-non-Methode“ gegeben, die Ar-
beitsweise späterer Kanonisten beeinflußt habe, will auch Grabmann
nicht bestreiten, leider hat er aber den Kanonisten des 12. Jahr-
hunderts in seinem Werke keinen Platz angewiesen, obschon auch sie
in der Entwicklung der scholastischen Methode keine geringe Rolle
gespielt haben. Um die Abhängigkeit der Dekretisten von Abaelard
zu beweisen, zitiert K. 8. 9 Stellen aus zwei Dekretsummen, die er
deutlicher hätte bezeichnen sollen. Die „von Schulte fälschlich Rufin
zugeschriebene Summa auf (!) das Dekret“ ist die im Cod. iurid. 159
der Göttinger Universitätsbibliothek enthaltene Summe (zu Pars I)
„Antiquitate et tempore“, dieselbe wie „der kaum vor 1170 verfaßte
Kommentar zu dem Dekret“ „eines der Plagiatoren“ Rufins, wie K.
S. 13, 185 und 50 ebenso ungenau sagt. Der zweite, „von Singer aus
einer Münchener Handschrift mitgeteilte Text“ stammt aus der Summe
„Inperatorie maiestat/i“ des Cod. lat. 16084 der Münchener Hof- und
Staatsbibliothek. 8. 91 ist ein Zitat aus der Summa decretorum Rufins,
der übrigens nicht der „erste und größte Bearbeiter“ des Dekrets (ähn-
lich K. S. 136!) ist, in irreführender Weise verstümmelt.
K. nennt Gratians Werk 8. 9 (und 8. 164) „Concordantia discor-
dantium canonum obwohl Heinrich Deni fle an den hier von K.
zitierten Stellen1) „ Co ncordia discordantium canonum“ sagt.
Nur diese Form des Titels ist quellenmäßig begründet2), so oft man
auch die andere lesen muß. Die E ntstehungszeit des Gratianischen
Dekrets setzt K. 8. 153 mit Jo h. Friedrich v. Schulte3) in die Jahre
1139—1142 oder mit Paul Fournier4 *) „um 1140“. Merkwürdig, daß
des Letztgenannten gründliche Untersuchungen, die zudem inzwischen
durch Augusto GaudenziG) verstärkt worden sind, noch immer nicht
überall das Jahr 1150 verdrängen können, das für den Kenner der

*) Die Sentenzen Abaelards und die Bearbeitungen seiner Theologia
vor Mitte des 12. Jahrhunderts, im Archiv für Literatur- und Kirchen-
Geschichte des Mittelalters I (1885), 8.619; Chartularium Universitatis
Parisiensis I (Parisiis 1889) S. XXVII2. — 2) Sieh meine Studie: Der
Titel der Kanonessammlung Gratians, in diesem Bande oben 8. 336 ff. —
3) Die Geschichte der Quellen und Literatur des kanonischen Rechts von
Gratian bis auf die Gegenwart I (1875) 8. 48. — 4) Deux controversos sur
les origines du Ddcret de Gratien, in der Revue d’bistoire et de littdratnre
religieuses III (Paris 1898), 8. 253ff., 280. — 6) L’etä dei decreto di
Graziano e l’antichissimo ms. cassinese di esso, in den Studi e memorie per
la storia dell1 Universita di Bologna I, 1 (Bologna 1907), 8. 65 ff.

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