Full text: Volume (2 (1912))

390

Literatur.

ist auch nach dem Vorworte ihr Zweck. Man wundert sich daher*,in,
den beiden ersten Kapiteln des Buches: „Das Rechtsstudium im 1%
13. Jahrhundert und das Verhältnis des Klerus zu demselben“ und jOjjjpf
Dominikanerorden und das Rechtsstudium im 13. Jahrhundert“ faßtmi*
Fragen behandelt zu sehen, die ohne jeden Einfluß auf die spätere
Darstellung sind; noch mehr, wenn man im Kapitel III („Der hl. Thomas
v. Aquin in rechtswissenschaftlicher Beleuchtung“) 8. 98, wo der Ver-
fasser endlich seiner Aufgabe nähertritt, lesen muß: „Welche Rechts-
quellen benutzte der hl. Thomas und welches ist sein Verhältnis zu den
Juristen seiner Zeit? Wir können diese Fragen nur streifen, da jede
Vorarbeit und auch die nächsten Hilfsmittel fehlen“ und wenn man
S. 108, zu Beginn des letzten Kapitels („Der Gesetzesbegriff beim
hl. Thomas von Aquin“), noch einmal das Geständnis vernimmt: „Zu-
nächst liegt es nicht in unserer Absicht, eine Untersuchung anzustellen
über die letzten und entferntesten Quellen, aus denen der hl. Thomas
bei der Heran- und Weiterbildung seiner Begriffe geschöpft hat“. Ich
glaube daher nicht zu hart zu urteilen, wenn ich das Buch in seiner
Anlage für verfehlt halte. Findet man sich hiermit ab und sieht man
nur auf das, was der Verfasser uns tatsächlich darbietet, so kann man
ihm die Anerkennung nicht versagen, daß er im allgemeinen mit
großem Fleiße, guter Sach- und reicher Literaturkennfmis gearbeitet
hat. Zu bedauern bleibt aber, daß die letzte Feile nicht angelegt
worden ist: das Buch leidet vielfach an großer Dunkelheit und Unge-
lenkigkeit der Sprache und an stilistischen, ja grammatischen Mängeln,
die nur mit der holländischen Nationalität des Verfassers entschuldigt
werden können, sowie an zahlreichen Ungenauigkeiten und unkorri-
gierten Druckfehlern. Auch der Mangel eines (Namen-) Registers macht
sich, besonders für die ersten Kapitel, unangenehm fühlbar.
Wenn ich im folgenden auf den Inhalt des Buches etwas genauer
eingehe, so kann ich natürlich nur zu einzelnen, mir näher liegenden
Fragen Stellung nehmen. Im Kapitel I schildert der Verfasser zunächst
in kurzen Zügen und in engem Anschlüsse an die einschlägige Lite-
ratur die Ursachen des Aufblühens des römischen Rechtes im 12. Jahr-
hundert und das Aufkommen der neuen (scholastischen) Methode in
den Schulen und in der theologischen und kanonistischen Literatur.
Er hebt dabei auch den Einfluß von Abaelards „Sic et non“
auf Gratians Dekret hervor, den, wie er hätte erwähnen sollen,
Friedrich Th an er, Abälard und das canonische Recht usw. (1900),
eingehend beleuchtet, allerdings auch überschätzt hat, wie von Martin
Grabmann1) nachgewiesen wurde, dessen Ausführungen K. hier noch
nicht benutzen konnte. Grabmann anderseits geht meines Erachtens
zu weit, wenn er jeden Einfluß der Abaelardischen Methode auf das
Dekret leugnet. Eher scheint mir Joseph de Ghellinck2) das Rich-

1) Die Geschichte der scholastischen Methode II (1911) 8. 213 ff.; vgl.
auch I (1909) 8. 234 ff. — 2) Theologie et droit canon au Xle et au Xlle
siede, in den Ltudes CXXIX (Paris 1911), 8. 503 ff.

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer