Full text: Volume (2 (1912))

350

Miszellen.

hat. Sein eigenes erstes Diarium (vorher auszugsweise gedruckt
bei Döllinger I, 149—404) trägt diesen Namen mit besonderem Rechte.
Vom Sonntag dem 22. II. 1545 an, dem Tage, da den Konzilspräsidenten
das Legatenkreuz überreicht wurde, bis zum 1. II. 1546 berichtet er
zunächst über die Reise nach der Konzilsstadt, dann über die Erleb-
nisse daselbst in den langen Frühlings-, Sommer- und Herbstmonaten
1545, während deren die Präsidenten mit ihren Familiären und wenigen
Prälaten die Ankunft weiterer Konziliaren und die Beseitigung der
Hindernisse ab warteten, die der Eröffnung des Konzils im Wege standen.
Wir werden (bis zum 2. V. 1545 in lateinischer, von da ab in italie-
nischer Sprache) unterrichtet nicht nur über direkt konziliare Vor-
gänge, sondern auch über vieles, was sonst allgemein oder auch nur
für den Verfasser persönlich interessant ist: über Ankunft von Prälaten,
Gesandten, Durchreise von Diplomaten, Militärs usw., über Gespräche
des Sekretärs mit den Legaten, mit dem Kardinal von Trient und
anderen Prälaten, über Eintreffen und Abgang von Briefen (oft mit kurzen
Skizzen ihres Inhalts), über Gerüchte, die in die Konzilsstadt drangen,
über Gastmähler, die gegeben wurden, einschließlich der Speisekarte,
über Spaziergänge oder Ausritte Massarellis selbst oder der Legaten,
über das Wetter u. v. a. Man sieht, an Vielseitigkeit läßt das Tage-
buch nichts zu wünschen übrig. Wer vieles bringt, wird jedem etwas
bringen. Das Konzil selbst kommt übrigens nicht zu kurz, manches
gewinnt durch solches Beiwerk eine erwünschte Beleuchtung. — Das
Original dieses Stückes habe ich in Italien wie in Spanien — es sollte
mit der Bibliothek des Kardinals Zelada in die Toletaner Kapitels-
bibliothek gekommen sein — vergeblich gesucht. So erfolgte die
Publikation nach zwei Kopien: eine dem Vatikan entführte in der
Barberini (XVI 28; daselbst noch XVI 27 eine Abschrift aus dieser),
die andere in der Trienter Stadtbibliothek (Cod. Mazett. 4237).
Von ganz anderem Charakter ist das zweite Diarium (Original
im Vat. Archiv Concil. 91, wie III, IV u. VI), das mehr als Konzils-
geschichte gedacht ist und daher zunächst die Vorgeschichte bringt,
die langwierigen Verhandlungen über Berufung, Verlegung und Ver-
tagung der Synode. Das eigentliche Tagebuch berichtet nur konziliare
Vorgänge vom 6. II. 1545 bis zur Verlegung nach Bologna (11. III. 1547),
die kurzen Notizen meist zuerst dem I., dann dem III. Diarium ent-
lehnend. So hat das Stück in seinem zweiten Teile nicht direkt sach-
lichen Wert; seine Bedeutung liegt da mehr in seiner Verwendung als
Grundlage für Summarien, die Massarelli schrieb (eines ist bei Le
Piat VII2, 31 ff., mit dem Werke des Curtembroche zusammengearbeitet,
gedruckt), in dessen Arbeitsweise es willkommenen Einblick gewährt.
Auch zur Identifizierung von Zitaten Raynalds u. a. ist es nützlich. —
Das Stück war, wie alle folgenden, mit Ausnahme von VI, bisher un-
gedruckt.
Das dritte Diarium, in seinen verschiedenen Teilen ziemlich
heterogener Art, enthält zuerst ausschließlich die Kongregationsver-
handlungen vom 18. XII. 1545 bis 15.11.1546; von da an bringt es

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer