Full text: Volume (2 (1912))

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Ernst Bernheim,

warf sich dann oft gegenseitig vor, daß man den wahren Frieden
störe, die Wege des Satans wandele „sub specie religionis“.
Ruotger, der die Civitas Dei so ganz auf Seiten Brunos
und des Königs vertreten sieht, kann in der Opposition da-
gegen nur gottlose Auflehnung erblicken, und erblickt diese
auch in dem Tun des Erzbischofs von Mainz; wenn dieser
seinerseits löbliche, fromme Motive äußert, kann Ruotger
das nur für Heuchelei halten und tut das, wie wir gesehen
haben. Wir haben keinen Grund, ihm in dieser psycho-
logischen Auslegung zu folgen; die Tatsachen die er über-
mittelt, sind von solcher Auslegung unabhängig *) und er-
möglichen uns die dargelegten Einsichten in die kirchen-
politische Stellung des Erzbischofs.
Ruotger erwähnt leider die im Jahre 954 erfolgte Aus-
söhnung Friedrichs mit dem König nicht. Wie er sie be-
richtet hätte, können wir freilich mit ziemlicher Sicherheit
aus der Analogie schließen, wie er Herzog Konrads Ver-
söhnung erzählt: „conversus ad pacem“ — so oder ent-
sprechend würde er auch von Friedrich gesagt haben.2)

Wir überblicken nun die Auffassung, die Ruotger in
seinem Werke durchführt.
In der großartigen Pragmatik des augustinischen Geistes
sind die beiden Heerlager einander gegenübergestellt: die
Bürger der Civitas Dei und die Bürger der Civitas Diaboli,
das Volk Gottes, die Knechte Gottes, die Guten und die
Gottlosen, Verderbten, Schändlichen. Dort als Vorkämpfer
Erzbischof Bruno und König Otto, die Vertreter der geist-
lichen und weltlichen Obrigkeit Hand in Hand selbstlos und
gerttergeben, waltend und wirkend für wahren Frieden und
Gottgerechtheit, mit ihnen die getreuen Bischöfe und Her-
zoge, das getreue Volk. Hier ihre Widersacher Erzbischof
Friedrich, Herzog Konrad, Liudolf, die mit ihnen verbündeten
*) Ich brauche das nicht auszuführen, da es auf der Hand liegt;
auch auf die bestätigenden Daten und Ansichten Widukinds gehe ich
daher nicht ein. — 2) Vgl. Widukinds Res gestae Saxonicae III Kap. 83:
Pontifex (d. i. Friedrich von Mainz) cum duce Conrado . . . discesserunt
ab eo (scii. Liudolfo), Deo regique se jungentes.

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