Full text: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte / Kanonistische Abteilung (2 (1912))

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Wilhelm Levison,

leicht eine Bestätigung der Annahme sehen, daß Briefe und
Akten aus einer Werkstatt hervorgegangen sind.
Ist diese Auffassung richtig, so wird nicht nur die
Reihe der Fälschungen zugunsten des Primats von Canter-
bury um ein Stück anderer Art erweitert; zugleich ist doch
auch eine echte Grundlage wenigstens in Bruchstücken wieder-
gewonnen und als ein Teil der römischen Synodalakten von 679
gesichert, aus denen der Presbyter Stephan die auf seinen
Helden bezüglichen Abschnitte in die Vita Wilfridi aufge-
nommen hat, während er kein Interesse daran hatte, Canter-
bury als einzige Metropole Englands ausdrücklich hinzu-
stellen , und vielleicht darum den Beschluß über die
Gliederung der englischen Kirche (§ 6) überging.2) In dieser
Hinsicht zeigen die Akten, daß man es 679 in Rom versucht
hat, den Plan, den Gregor I. für ihre Organisation entworfen
hatte, mit der wirklichen Gestaltung der Dinge in Einklang zu
bringen, indem man von der Zahl der zwei Erzbistümer und
der 24 Bistümer auf weniger als die Hälfte zurückging.
York ist dann doch 735 wieder Metropole geworden, und die
Zahl der Bistümer hat die von zwölf bald überschritten. So
mag cs sich erklären, daß der Fälscher von den Akten an-
scheinend doch keinen Gebrauch gemacht hat. Sein Ziel
war, alle Bistümer Englands als Canterbury untertan hin-
zustellen, und mehr als einer der falschen Briefe sagt dies
in deutlichen Worten; der Beschluß von 679 unterstellte dem
Erzbischof von Canterbury dagegen nur elf Bischöfe als
Gesamtzahl des englischen Episkopats, die dann doch von
der Wirklichkeit überholt wurde. Dieser Widerspruch, der
seinen Absichten unbequem werden konnte, mag dem Fälscher
nachträglich zum Bewußtsein gekommen sein und ihn ver-
*) Vgl. oben 8. 250 Anm. 1. — *) Daß Beda die Akten nicht
benutzt hat, spricht nicht gegen ihre Echtheit, da er, wie man längst
hervorgehoben hat, in den Angelegenheiten Wilfrids überhaupt große
Zurückhaltung übt und weit weniger sagt, als er wissen mußte. Zu-
dem hatte man in England die Beschlüsse von 679, die ja die Wieder-
einsetzung Wilfrids und die Absetzung der von Theodor geweihten
northumbrischen Bischöfe verlangten, als nicht vorhanden betrachtet,
ja versucht, Wilfrid zum Zugeständnis ihrer Unechtheit zu bewegen,
und ausgesprengt, sie seien mit Geld erkauft (Vita Wilfridi c. 34, 36,
S. 228 ff.).

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