Full text: Volume (2 (1912))

Die Ordines der Kaiserkrönung.

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die Wünsche dargebracht. Dazwischen werden Heilige um
ihre Hilfe angerufen, und zwar für den Papst Christus, für
den Kaiser Maria, für die Königssöhne Petrus, für das Heer
Theodor. In diesen Laudes haben wir wohl die „hymni ex
ordine dicti“ des Ermoldus Nigellus vor uns. Wenn auch
die Erwähnung des (römischen und) deutschen Heeres zweifel-
los als späterer Zusatz, vielleicht aus der Zeit Arnulfs1), zu be-
trachten ist, so kann doch kaum ein Zweifel darüber bestehen,
daß bei Ludwigs I. Krönung 816 wie bei allen folgenden
dieser Periode die Laudes ungefähr so gesungen worden sind,
wie sie im Cod. Gmund, überliefert sind; sie bildeten von allem
Anfang an, weil sie den Volks willen zum öffentlichen Ausdruck
bringen sollten, einen wesentlichen Bestandteil des Zeremoniells.
Kleinere Abweichungen mögen bei den einzelnen Krönungen
vorgekommen sein, z. B. dadurch, daß die Namen der anzu-
rufenden Heiligen je nach der Vorliebe der Zeit oder des be-
betreffendon Kaisers wechselten2), ferner daß der Zuruf für die
Königssöhne (eiusque praecellentissimis filiis regibus vitam) in
Wegfall kam, wenn der zu Krönende keine Söhne hatte usw.
Als Resultat der bisherigen Untersuchung hat sich er-
geben, daß die von Waitz 8. 64 publizierte (kürzere) Formel
auf die Krönung von 816 zu beziehen ist. Die Formel hat im
Laufe des 9. Jahrhunderts Erweiterungen erfahren (Schwert,
Zepter, Ring) und wird so, wie sie (am vollständigsten) in
Vatic. 7114 vorliegt, am Ende des 9. Jahrhunderts in Gebrauch
gewesen sein. Mit Schwarzer3), welcher bereits gegen Waitz
den Ordo mit guten Gründen für die karolingische Zeit ange-
setzt hat, stimme ich insofern nicht überein, als ich an eine
Rezeption des Ordo der fränkischen Königskrönung für die
Kaiserkrönung um deswillen nicht glaube, weil die bei den
fränkischen Königskrönungen von 869 und 877 gesprochenen
Gebete nicht die geringste Ähnlichkeit mit unserm Ordo auf-
weisen. Im übrigen wird diese Frage noch einer eingehen-
deren Untersuchung bedürfen, für welche hier nicht der Ort ist.
exercitui Francorum vita et victoria! Unter den Heiligen, die im An-
schluß hieran angerufen werden, befindet sich auch schon 8. Mauritius.
*) Über den Ausdruck Teutiscus (845), Teutonicus (909) vgl.
Schwarzer 208. — 2) Vgl. die Laudes der Litanei aus der Zeit Hadrians I
im Album Paleographique Tafel 17: vel alios sanctos quales volueris. —
3) 8. 200 ff.

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