Full text: Volume (5 (1915))

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Albert Werminghoff,

Termineien, alles dies griff ineinander über. Es schien zu-
gleich geeignet, die Fülle von Gegensätzen innerhalb der
Geistlichkeit, der säkularen und der regulären, zu meistern.
Mochte auch die Gestaltung der Termineien nichts weniger
denn gefeit gegen Tadel sein, jedenfalls sollten sie mehr
oder minder geschlossene Gebiete schaffen, in denen wie-
derum die einzelnen Diözesen gleichsam als die Keimzellen
für eine ordnungsmäßige Erledigung des Steuergeschäftes
zu dienen hatten. Die Systematik der kirchlichen Ein-
teilung des deutschen Reichsbodens nach Diözese und
Pfarrei trat deutlich zutage, und von vornherein konnten
die größeren Bezirke der Kirchenprovinzen, die kleineren
der Archidiakonate und Ruralkapitel in Anspruch ge-
nommen werden wie nicht minder die Erfahrung der
Geistlichen, für kirchliche Zwecke Steuern einzutreiben,
und ihre Gewöhnung, an ihre Oberen, die Bischöfe, Erz-
bischöfe oder Päpste, Steuern zu entrichten. Trotzdem
scheiterte die Durchführung des Gesetzes, nicht allein im
Hinblick auf die Laienwelt, sondern auch im Umkreise der
Geistlichkeit, obwohl diese noch am eifrigsten ihren Ver-
pflichtungen nachkam. Der Chronist des Hussitenkrieges,
Andreas von Regensburg, vermerkt kurz, daß die allgemeine
Steuer eingesammelt worden sei, daß manche und vornehm-
lich die Kleriker ihre Abgaben an die festgesetzten Orte
abgeliefert hätten. Er wirft aber auch Fürsten und Städten
vor, die eingezogenen Summen zurückbehalten zu haben,
bis über ihre Verwendung eine genaue Bestimmung ergangen
sei. Nach einem Tadel des Kardinals von England wegen
seiner Ausreise aus Deutschland, schließt er mit den inhalt-
schweren Worten: „Die ganze Angelegenheit ward trefflich
begonnen und ist unrühmlich zerronnen.“1)
x) Omnis illa ordinatio egregie cepta inepte est finita; Andreas von
Regensburg, Chronica Husitarum § 88 herausg. von G. Leidinger
S. 457. Nicht zu wiederholen ist das Urteil von J. Trithemius, der die
Bestimmungen des Gesetzes völlig falsch wiedergibt und als an seinem
Mißerfolg schuldig vornehmlich die Reichsritterschaft bezeichnet, deren
Stellung zum gemeinen Pfennig von 1495 seine Ausführungen über das
Jahr 1427/28 beeinflußt hat; Tomus I. annalium Hirsaugiensium (Sancti
Galli 1690), p. 373 zum Jahre 1428. — In einer Reihe zeitgenössischer
und jüngerer Aufzeichnungen finden sich Hinweise auf die Steuer von

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