Full text: Volume (5 (1915))

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Albert Werminghoff,

nur in Sachen des Kultus, der Seelsorge usw., sondern
vornehmlich in Fragen ihres Gerichtsstandes, ihres Besitzes,
ihrer städtischen Lasten vom Willen der Bürgerschaften
und ihrer Organe abhängig zu machen. Jener Beschluß
der Bundesstädte enthielt demnach, blickt man auf den
Gesamtverlauf der Entwicklung des Verhältnisses zwischen
Stadt und Geistlichkeit, nichts grundsätzlich Neues, immer-
hin sprach er für das Selbständigkeitsgefühl des Bundes und
seiner Glieder gegenüber gesetzlichen Maßnahmen sogar des
Reichstags, denen die Bürgerschaften, befangen in klein-
hohem Sondergeist, nur langsam sich anbequemt hatten.
Nichts verlautet von einem Widerspruch gegen die Willens-
äußerung der Städte von seiten der Kurfürsten; daß aber
der Argwohn der Bürgerschaften auch in anderen Bezie-
hungen rege war, wird sich noch mehrfach ergeben, wie er
denn u. a. in jenen kirchlichen Bestimmungen Nahrung
fand, mit deren Hülfe der Steuerertrag zum Besten des
Kreuzzugs gegen die Hussiten gesteigert werden sollte.
Als kirchlich im eigentlichen Wortsinne dürften jene
Paragraphen des Gesetzes nicht angesprochen werden, die
der Steuerpflicht der Geistlichen, der Mitwirkung von
Geistlichen in den Ausschüssen, den Kirchen als Aufbe-
wahrungsstätten der eingegangenen Beträge galten. Kirch-
liches Gepräge hatte nur die eine Satzung, daß an allen
Sonn- und Heiligentagen die Pfarrer von den Kanzeln herab
jene Ablässe und Gnaden verkünden wie erläutern sollten,
die der Kardinal von England gewähren würde.1) Sie blieb
hinter den weitergehenden Wünschen oder Anregungen der
Entwürfe zurück, in denen die Voraussetzungen wie der
Inhalt der zu spendenden Ablässe, Umwandlungen von
Gelübden u. a. m. genauer umschrieben waren.2) Gerade
aber an diese Begehren gemahnt die umfangreiche Ver-
ordnung des Legaten vom 6. Dezember 1427, deren eigen-
tümliche Festlegung des Termins der Steuerzahlung auf
den 17. Februar 1428 bereits erwähnt wurde.3) Neu in ihr
waren zunächst die Strafandrohungen: ungehorsame Erz-
1) Vgl. oben 8. 50. 2) Vgl. oben 8. 64 f.
3) RTA. IX, 8. 113 n. 79. F. Palacky, Urkundliche Beiträge
zur Geschichte des Hussitenkrieges I, 8. 577 n. 493; vgl. oben 8. 50k.

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