Full text: Volume (5 (1915))

Die deutschen Reichskriegssteuergesetze usw.

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einem späteren Zeitpunkt anordneten, als dort vorgesehen
war, ergab sich aus der Lage der Dinge von selbst. Es war
auch dadurch gerechtfertigt, daß während der Abwesenheit
des Königs die Kurfürsten sich als eine Art von Reichsregiment
ansahen, dem es obliege, in diesem Sinne ein Gesetz zu
ändern, dessen Vorschriften bei den Reichsgliedem allzuviel
Verständnis und Bereitwilligkeit vorausgesetzt, die Schwie-
rigkeiten aber der ungewohnten Maßregeln allzu gering
geachtet hatten. Einschneidender war, daß gegen den
Willen des Gesetzes die Zahl der Legestätten und damit der
Termineien um die von Erfurt vermindert, daß schließlich
die Legestätten ganz verdrängt und einzig durch die Zentral-
kasse zu Nürnberg ersetzt wurden. Soweit erkennbar, liegt
ein ausdrücklicher Beschluß, der eine solche Vereinheit-
lichung der Steuereinzahlungen und Steuerübermittlungen
anordnete, nicht vor: das Endergebnis entsprach einer natür-
lichen Entwicklung, der nicht zuletzt die alles in allem kleine
Zahl der Steuernden nur förderlich war. Bei der Vielheit
der Säumigen und Widerstrebenden mußte es erwünschter
sein, sie unmittelbar vom Sitze der Zentralverwaltung aus
zu mahnen oder zur Rechenschaft zu ziehen als sie zuvörderst
durch eine Zwischeninstanz, den erweiterten Ausschuß an
jeder Legestätte, anzugehen und auf solchem Umweg eben-
sowenig Erfolg zu erzielen wie auf jedem anderen. Unbewußt
empfand man die zentralisierende Tendenz des Gesetzes,
opferte man ihr zuliebe einen aus wilder Wurzel geschaffenen,
darum ohnmächtigen Instanzenzug, um freilich auch auf
diese Weise die Unfruchtbarkeit des Gesetzes nicht zu be-
heben. Nicht weniger bedeutsam war der Beschluß der
schwäbischen Reichsstädte, hinsichtlich der Besteuerung der
Geistlichkeit sich nicht den Verordnungen des Gesetzes zu
fügen, sondern die Kleriker durch ihre stadtbürgerlichen
Ausschüsse zur Leistung heranzuziehen. Offenbar lag hierin
eine Umbiegung der Vorschrift, daß der Klerus jeder Diözese
seine Abgaben dem Sechserausschuß am Bischofssitz aus-
händigen sollte, ein Mißtrauensvotum gegen die Gewissen-
haftigkeit der kirchlichen Verwaltungsorganisation, eine
Bekräftigung jenes von deutschen Städten seit langem ein-
geschlagenen Verfahrens, die städtische Geistlichkeit nicht

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