Full text: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte / Kanonistische Abteilung (5 (1915))

9.13. Baier, H., Päpstliche Provisionen für niedere Pfründen bis zum Jahre 1304

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Literatur.

sicherten und verbürgten, so würde dies doch wohl nur zutreffen,
wenn in ihnen die Rechte aller Untertanen gleichmäßig berücksichtigt
worden wären; sie waren aber überall nur auf den speziellen Vor-
teil einer aristokratischen Körperschaft zugeschnitten. Der durch
die Kapitulationen gewährleistete konservative Zug in der Regierung
der geistlichen Staaten, den der Verfasser rühmt, führte infolge der
einseitigen Interessenverfolgung der Domherren schließlich zu einer
völligen Stagnierung des politischen Lebens, und ließ die geistlichen
Fürsten immer mehr hinter ihre weltlichen Rivalen zurücktreten.
Breslau. * Manfred Stimming.

Hermann Bai er, Päpstliche Provisionen für niedere Pfrün-
den bis zum Jahre 1304 (a. n. d. 1.: Yorreformatorische
Forschungen hrsg. von H. Finke, Bd. VII). Münster i. W.,
Aschendorff 1911. 342 S.
Verfasser hat an der Hand der päpstlichen Register die Ver-
leihungen niederer Pfründen im einzelnen verfolgt, beginnend mit der
bekannten Provisionsbitte von 1137 an den Erzbischof von Compostella;
er nimmt mit Recht an, daß die päpstlichen Provisionsmandate und
die allmählich vorkommenden Kollationen durch den Papst selbst schon
im 12. Jahrhundert häufiger gewesen sind, als die Quellen zahlenmäßig
zeigen und als man gewöhnlich glaubte. Im 13. Jahrhundert ist dann
die volle Entfaltung da und Bai er kann für die Zeit von Honorius III.
(1216) bis auf Benedikt XI. eingehende statistische Mitteilungen machen.
In diesen sorgfältigen statistischen Darlegungen liegt der Hauptwert
des Buches. Man gewinnt aus ihnen ein ziemlich sicheres Bild, um so
mehr als Bai er namentlich für die spätere Zeit die in den politischen
Verhältnissen und den sonstigen Faktoren der kurialen Praxis begrün-
deten Schwankungen in der Zahl der Verleihungen etwas unterschätzt,
wenn auch viele Bepfründungsurkunden verloren gegangen sind. Bai er
erörtert nach einer allgemeinen Übersicht eingehend die Legatenver-
leihungen, die Personen der Begründeten (ein wichtiges Kapitel), die recht-
lichen Grundlagen der Verleihungen, die Art der verliehenen Benefizien
(wofür die Statistik nur vage Ergebnisse zutage bringen konnte), den
Schutz gegen Provisionen (mit interessanten Darlegungen über das
Formelwesen), Fürbitter, Monitoren, Exekutoren, ferner das Verhältnis
der Provision zur päpstlichen Gesetzgebung, die Literatur des 13. Jahr-
hunderts, den Widerstand und seine Folgen (nur in England kommt
es zu geschlossener Opposition, auch hier aber drang der Papst durch)
und endlich Formalia, ein Kapitel, das für den Juristen manche besonders
wichtigen Feststellungen enthält. In der Besprechung der rechtlichen
Grundlagen der Verleihungen tritt hervor, daß namentlich die absolute
Ordination, die Pfründenteilungen und die Verschleppungen der Be-

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