Full text: Volume (5 (1915))

9.12. Bruggaier, L., Die Wahlkapitulationen der Bischöfe und Reichsfürsten von Eichstätt

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Literatur.

Ludwig Bruggaier, Die Wahlkapitulationen der Bischöfe
und Reichsfürsten von Eichstätt. Eine historisch - kano-
nistische Studie (a. u. d. T.: Freiburger theologische
Studien hrsg. von G. Bob erg und G. Pfeilschifter Nr. 18).
Freiburg i. Br., Herder 1915. XVI, 130 S.
Nachdem J. F. Abert 1905 mit Würzburg den Anfang gemacht
hatte, war die Bahn für die Untersuchung der Wahlkapitulationen
der deutschen Erz- und Hochstifter gebrochen. Neben Mainz, Trier
und Bamberg haben neuerdings auch die ältesten Breslauer Wahl-
käpitulationen durch F. X. Sepp eit in der Zeitschrift des Vereins
für die Gesch. Schlesiens XXIX (1915) S. 192 ff. eine eindringliche
Bearbeitung gefunden. Eine empfindliche Lücke ist mit diesen Unter-
suchungen ausgefüllt. Da die Wahlkapitulationen mit ihren Forderungen
fast alle Zweige der weltlichen und geistlichen Regierung und Verwaltung
berühren, so bilden sie eine wichtige Quelle für die Verfassungsverhält-
nisse der geistlichen Staaten und tragen nicht wenig zum Verständnis
und zur Würdigung dieser merkwürdigen politischen Gebilde, die eine
so bedeutsame Rolle im alten deutschen Reiche spielten, bei. Daneben
aber haben die Wahlkapitulationen auch ein hervorragendes kirchen-
rechtliches Interesse. Für die mannigfaltigen lokalen Rechtsverhältnisse
in den einzelnen Bistümern bieten sie ein reiches Quellenmaterial.
Manche durch die Kapitulationen eingeführte und zum Gewohnheits-
recht gewordene Institutionen haben schließlich, besonders durch das
Tridentiner Konzil, in das allgemeine kirchliche Recht Eingang gefunden.
Die allgemeinen Vorbedingungen und die rechtlichen Grundlagen
für die Entstehung der Wahlkapitulationen und die Hauptrichtlinien
ihrer Entwicklung und Geschichte sind bereits in den erwähnten früheren
Arbeiten hinreichend klargelegt worden. Der Verfasser der vorliegenden
Abhandlung konnte sich daher darauf beschränken, an der Hand der
gewonnenen Ergebnisse die spezielle Gestaltung der Eichstätter Wahl-
kapitulationen zu untersuchen. Die Ausführungen des Verfassers be-
stätigen aufs neue die bereits mehrfach betonte außerordentliche Gleich-
artigkeit des Kapitulationswerkes nach Entwicklung und Inhalt in den
verschiedenen Bistümern.
Die Darstellung ist nach bewährtem Muster in zwei Teile gegliedert;
von diesen umfaßt der erste die äußere Geschichte der Wahlkapitulationen
in Eichstätt, der zweite systematische Teil behandelt die in den Wahl-
gedingen gestellten Forderungen, nach Materien geordnet. Die älteste
Wahlkapitulation stammt aus dem Jahre 1259 und hat die Form einer
Littera confoederationis, d. h. sie besteht in einer Aufzeichnung von
Forderungen, welche von jedem Domherrn vor der Wahlhandlung für
den Fall seiner Erhebung zum Bischof durch einen Eid als verbindlich
für seine Regierung anerkannt wurden. Erst später kam eine zweite
Beschwörung der Artikel durch den Elekten kurz vor der öffentlichen
Verkündigung der Wahl hinzu. Wie in Mainz, Würzburg und anderswo

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