Full text: Volume (5 (1915))

9.6. Hilgers, Die katholische Lehre von den Ablässen und deren geschichtliche Entwicklung

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Literatur.

Indes um darauf und auf noch manch anderes in seinem Buche zu
erwidern, reicht hier der zugemessene Baum nicht aus. Einem solch
kunstvoll errichteten Gebäude gegenüber, wie es in diesem Werke des
Herrn Verfassers aufgeführt ist und sich repräsentiert, müßte, wollte
man alle Entgegnungen anbringen, selbst wieder eines gebaut, d. h.
eben wieder ein Buch geschrieben werden. Der Probleme sind zu viele,
der Schwierigkeiten zu zahlreiche, der Meinungsmöglichkeiten zu große
Mengen, um alles kurzerhand abmachen zu können. Mindestens wird
man vieles nochmals überprüfen müssen. Aber beiseitelegen kann die
Arbeit künftig kein Erforscher der Bußdisziplin, mag sie gleich keine
„Geschichte" derselben darstellen und in wesentlichen Ergebniesen abzu-
lehnen sein.
Bamberg. _ A. M. Koeniger.
Hilgers, Die katholische Lehre von den Ablässen und deren
geschichtliche Entwicklung. Mit Anlagen und drei Ab-
bildungen. Paderborn, Schöningh 1914. XXXIII 172 S.
An dem bekannten Buche über Wesen und Gebrauch der Ablässe
von Franz Beringer wurde mit Recht gegenüber der vortrefflichen
Darstellung der Ablaßpraxis der Mangel eines tiefer grabenden Überblicks
über die Entwicklungsgeschichte der Ablaßinstitution gerügt. Dem wollte
in richtiger Erkenntnis der Sachlage die von Hilgers besorgte Neuauflage
abhelfen, aber der Stoff wuchs dem Verfasser derart unter den Händen,
daß eine selbständige Monographie entstand, deren Separatausgabe sach-
lichen Bedenken nicht nur nicht begegnen kann, vielmehr grundsätzlich
freudig zu begrüßen ist. Allerdings leider auch nur grundsätzlich. Denn
die tatsächliche Leistung entspricht nicht dem, was hätte geboten werden
können und sollen, bleibt vielmehr erheblich hinter dem bisher erzielten
Forschungsstande zurück. Dieses Urteil habe ich zu begründen und, um
nicht etwa von vornherein konfessioneller Voreingenommenheit, die bei
Feststellung historischer Tatsächlichkeit eine Rolle einfach nicht spielen
darf, geziehen zu werden, bitte ich die eingehenden Kritiken von Posch-
mann (Theol. Revue 13 Nr. 10) und Nie. Paulus (Ztschr. f. kathol.
Theologie 1915 H. 2) zum Vergleich heranzuziehen.
Der Grundfehler des Verfassers ist ein methodischer. Seine Aufgabe
war, die Entwicklungsgeschichte des Ablasses darzustellen, bei der also
die gegenwärtige dogmatische Anschauung vom Ablasse den Endpunkt
bilden müßte. Statt dessen wird sie zum Ausgangspunkt genommen.
„Will man den Ablaß verstehen, so muß man die katholische Dogmatik
darüber befragen" (S. III). Der Forscher hat „allein nach dem Ablaß
zu forschen, wie er heutzutage ist in der katholischen Kirche" (S. IV).
„Die katholische Glaubenslehre über den Ablaß" — mit Absicht lasse
ich den Verfasser möglichst viel selbst zum Worte kommen — „ist das
Fundament zur sichern Ablaßforschung" (ib.). Nun aber gehört der
Ablaß zum Dogma, das Dogma ist iuris divini, und darum „ist es an
und für sich möglich und denkbar, daß die Kirche Christi von ihrem

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