Full text: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte / Kanonistische Abteilung (5 (1915))

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Georg Schreiber,

gar nichts. Wie ist diese Schweigsamkeit zu erklären?
Nun ich denke, man darf sie wohl nicht damit begründen,
daß die Zweikampfabgaben hier als pars pro toto auf-
geführt seien. Denn in ähnlichen Urkunden wird sorgsam
zwischen „oblationes campionum“ und „iudicia" unter-
schieden.1) Vielmehr wird man annehmen dürfen, daß in
diesem Kirchenbezirke andere Ordale als das „duellum"
nicht getätigt wurden, oder doch so selten, daß sie als pfarr-
liche Einnahme überhaupt nicht ins Gewicht fielen.
So lakonisch sich unsere Urkunde auch zu den Zwei-
kampfabgaben äußert, den einen Eindruck zwingt sie dem
Leser geradezu mit Wucht auf: Diese Zweikämpfe haben
an dieser Niederkirche mit einer verhältnismäßig großen
Häufigkeit stattgefunden. Denn es ist doch geradezu er-
staunlich, daß einmal der bischöfliche Schenkgeber, dann
auch der neue klösterliche Kirchherr und schließlich selbst
der Vikar mit den „oblationes campionum" als mit einer
Abgabe rechneten, die mit einer gewissen Regelmäßigkeit
wieder kehrte. Und zwar mit einer Stetigkeit, die sogar
mit der Taufgebühr, mit dem Beichtgeld, mit den Nuptial-
gebühren und schließlich mit anderen Stolarien des pfarr-
lichen Alltags in Parallele gestellt werden konnte. Dieser
Umstand wirft nun gewiß ein höchst bemerkenswertes Licht
auf nichts weniger als auf das gesamte Gerichtswesen der
Diözese Langres, nicht minder auf das liturgische Leben,
das dort pulsierte und überhaupt auf das gesamte kirch-
liche Volkstum, das sich dort entwickelte.
Es will noch einmal eigens unterstrichen sein, daß uns
dieses Zweikampfordal in einem dörflichen Milieu gegen-
übertritt. Denn die Forschung hat, soviel ich sehe, wohl
die Stellung der städtischen Bevölkerung zum duellum
ins Auge gefaßt2), ohne eigentlich das Dorf und die länd-
liche Pfarrkirche den burgenses gegenüberzustellen. Und
doch kann man diesen Kontrast nicht entbehren.3)
x) Siehe unten in der weiteren Fortsetzung dieser Abhandlung.
2) Vgl. hier statt anderer Coulin, Zweikampf in Frankreich, 8. 1 ff.
3) Das gilt auch für die Darstellung von Holtzmann, Verfassungs-
geschichte, wo 8. 62 bemerkt wird: „Der gerichtliche Zweikampf war be-
sonders eine Sache des Adels, während die Hörigen ganz von ihm aus-

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