Full text: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte / Kanonistische Abteilung (5 (1915))

Kirchliches Abgabenwesen bei französischen Eigenkirchen. 479
tiones sectae noch eine bedeutende Rolle, obwohl hier die
alten Bezeichnungen längst verschwunden waren.1)
Was nun weiter die Rechtsnatur dieser an der Kirche
zu Pisy entrichteten oblationes campionum angeht, so darf
man kaum bezweifeln, daß es sich bei diesen um eine Ab-
gabe mit Pflichtcharakter handelte. Denn man be-
achte es wohl, daß der ganze Tenor unserer Urkunde diese
in eine Linie mit der Tauf gebühr, mit dem Beichtpfennig
und mit anderen Stolarien rückt. Ja, diese Zweikampf-
oblationen werden in einem Atemzuge mit dem Groß- und
Kleinzehnten erwähnt. Die Stellung des Dezems als einer
Zwangsabgabe ist nun gewiß unbestritten. Daß im übrigen
mit den „oblationes campionum“ eine Pflichtabgabe oder,
um in der eigensten Sprache des Eigenkirchenrechtes zu
sprechen, eine „offerenda debitalis“ 2)*bestand, darauf weist
schließlich und letztlich das ganze Gepräge des fiskalisch
orientierten Eigenkirchenzeitalters.3)
Man mag sich billig wundern, daß unsere Urkunde
nur von Oblationen spricht, die aus Anlaß des gericht-
lichen Zweikampfes entrichtet wurden. Von Oblationen
aber, die bei anderen Ordalen eingingen, weiß sie rein
x) Es handelt sich dort um die ansehnlichen Opfer, die das Ge-
folge der Brautleute und ebenso die Begleitung der Kindbetterin ent-
richtete. Nur ein Zeugnis für viele: Der Visitationsabschied der Alt-
stadt Salzwedel vom Jahre 1579 (abgedruckt bei E. Sehling, Die evan-
gelischen Kirchenordnungen des 16. Jahrhunderts, Leipzig 19028., III,
S. 273) bestimmte: „Nachdem auch dem pfarrer und caplenen der opfer,
so ihnen in hochzeiten und von dem kirchgange der sechswocherinnen
gebühret, entzogen, so soll demnach ein erbar rath in der pfarrkirchen
die verordenunge tuen, wan die hochzeitsgeste in den kästen vor die
arme stecken, das sie hernach zum altar gehen und den dienern gött-
liches worts auch mittheilen, in ansehung, das es in andern Städten
auch also verordnet . . . .“ Zur Verwaltung des Kastens und über
Kastenordnungen vgl. im allgemeinen Uhlhorn, Christliche Liebes-
tätigkeit III, 8. 71 ff. Daß hier starke Zusammenhänge mit dem Mittel-
alter bestanden, ist von Uhlhorn, aber auch von der verdienstlichen
Veröffentlichung von 0. Winkelmann, Über die ältesten Armenord-
nungen der Reformationszeit, Historische Vierteljahrsschrift 1914, 8.187 ff.
nicht genügend berücksichtigt.
2) Zur „offerenda debitalis“ siehe Schreiber, Sprachgebrauch
des Oblationenwesens, 8. 26 Anm. 2 und 8. 31 mit Anm. 3.
3) Vgl. Schreiber, Kurie und Kloster, II, 8. 92ff. 145ff.

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