Full text: Volume (5 (1915))

Kirchliches Abgabenwesen bei französischen Eigenkirchen. 477

dieser Benediktion statthatte. Ich habe diese schwierige
Frage in einer eigenen Studie zu untersuchen.
Ein Letztes wird man sich aber bei der Erklärung
dieser Abgabenbezeichnung „oblationes campionum“, die
keineswegs eindeutig ist, noch sagen müssen. Wie jeder
Einzelhandlung (Abnahme des Eides, Segnung, Messe)1)
des Priesters eine Einzeloblation entsprochen haben kann,
ebenso mag es aber auch sein, daß der presbyter und der
bzw. die Probanden in den Einzelakten des Priesters nur
die eine liturgische Aktion im Sinne einer Gesamthandlung
sahen, die die campiones nur mit einer einzigen Oblation
im Sinne einer Gesamtoblation entrichteten.
Wenn die Urkunde des Manasses derart mehreren Mög-
lichkeiten Raum gibt und somit ein Halbdunkel über ihr
liegt, so deckt sie doch noch ein anderes interessantes Mo-
ment mit aller Klarheit auf.
Der Bischof bestimmte nämlich, nur die Oblationen
der Probanden sollten dem Priester zufallen. Dagegen
wurden die Gaben der Folger dem Kloster zugewiesen.2)
Diese Folger wurden hier als „sequentes“ bezeichnet, an
anderen Stellen jedoch mit dem Synonymen „secta“3),
seltener mit dem bedeutungsgleichen „sequela“4) und „se-

x) Dieses ist die zeitliche Folge der liturgischen Akte. Vgl. Franz,
Benediktionen II, 8. 344. 364f.
2) Vgl. oben 8. 469 Anm. 2.
3) Vgl.: „De reconciliationibus prima oblatio sacerdotis est, secta
per medium dividitur", Dalore, Cart. de Troyes VI, nr. 256 (a. 1185,
Kirchengebiet des Klosters Moutier-la-Celle). Ähnlich: „Si in sponsalibus
sponsus et sponsa oblationem fecerint sive mulieres ad purificationem
venientes, sacerdos eas integre possidebit; sed etiam alie cum eis venerint
oblationes, canonici, sicut in ceteris oblationibus, duas partes habebunt,
sacerdos vero tertiam (zurDrittelung siehe oben 8.455 und 8.458 Anm. 1),
A. Cauvin, Cartularium insignis ecclesie Cenomanensis quod dicitur
Liber albus capituli, Le Mans 1869, nr. 131 p. 74. So bestimmte 1151
Bischof Wilhelm (Guilielmus de Passavant, 1143—1187) von Le Mans,
um das Verhältnis der Kathedralkirche Saint-Julien zu deren Geist-
lichen am Gotteshause de Uncinis zu regeln. Weiteres zur secta siehe unten.
4) „Sequela peregrinorum capicerii est exceptis festis prenomi-
natis. Oblationes peregrinorum prioris sunt", Menault, Morigny,
p. 171. Über Pilger vgl oben 8. 465 mit Anm. 3.

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer