Full text: Volume (5 (1915))

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Georg Schreiber,

hominis proficiscentis ad duellum“, scheint recht selten
stattgefunden zu haben, wenn man nur nach dem Vorkommen
liturgischer Texte urteilt. Denn bisher war es nur A. Franz
vergönnt, ein einziges Formular dieser Segnung zu finden,
das überdies aus englischen Ritualien des späteren Mittel-
alters stammt.1) Immerhin darf man doch wohl die Ver-
mutung wagen, an dieser Niederkirche der Diözese Langres
sei eine Benediktion von Schild und Kampfstock vor-
gekommen. Denn die fragliche Urkunde des Bischofs
Manasses hob aus den zahlreichen Abgaben, die an der
Kirche zu Pisy bestanden, vier Oblationenarten heraus,
denen etwas Gemeinsames zukam. Diese Quatemitas sollte
nämlich dem Priester ohne Kürzung zufallen. Das waren
aber neben den oblationes campionum die Oblationen, die
bei der Segnung der Pilger, bei der Benediktion der Ehe-
leute und schließlich bei der Hervorsegnung der Wöchnerin
entrichtet wurden. Handelt es sich in den drei letzten
Fällen um eine Lohngabe für die erteilte Benediktion, so
können auch die „oblationes campionum“ ein Entgelt für
die benedictio clipei et baculi bezeichnen.
Ein anderes stützt meine Vermutung. Es läßt sich
nämlich dartun, daß auch das altfranzösische Heldenepos
— hier wie auch sonst eine aufschlußreiche Nebenquelle
für Fragen des Rechts und der Liturgie — von der Segnung
der Zweikämpfer vor Beginn des Kampfes weiß.2)
Doch mit Sicherheit läßt sich diese Frage vorläufig
nicht entscheiden. Denn es kann wohl sein, daß bei den
drei erwähnten Benediktionen der Pilger, Nupturienten und
puerperae das abgabenbildende Moment weniger in Segnung
als vielmehr in der Messe zu suchen ist, die zugleich mit

x) Benediktionen II, 8. 344. 364 ff.
2) Nämlich la prise de Pampelune 3357 f. (La prise de Pampelune,
herausg. von A. Mussafia, Wien 1864. In Altfranzösische Gedichte
aus venetianischen Handschriften I.) Mitgeteilt bei Merk, Kirche im
altfranz. Heldenepos, 8. 162. Merk hat aber die Bedeutung der von
ihm aufgefundenen Stelle nicht erkannt. Die liturgischen Untersuchungen
von Franz, Coulin und überhaupt die ganze Ordalliteratur blieb bei
diesem Autor nicht erwähnt, obwohl das prächtige Material eine Er-
läuterung erheischte.

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