Full text: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte / Kanonistische Abteilung (5 (1915))

Kirchliches Abgabenwesen bei französischen Eigenkirchen. 475
haben konnte, das ist an sich denkbar. Denn es läßt sich
schon bei anderen französischen Niederkirchen des Eigen-
kirchenzeitalters nachweisen, daß „denaria sacramentorum“
entrichtet wurden. Das aber will besagen: Abgaben bei
einer Eidesleistung, an der der Kirchengeistliche mit-
wirkte.1)
Doch noch ein anderer Zahlungsgrund will erwogen
sein. Die „oblationes campionum“ können nämlich zu
allem ein Entgelt für jene Mühewaltung bedeuten, die nun
die Benediktion von Schild und Kampf stock der Zwei-
kämpfer darstellte. Der Kenner der Ordalliturgie mag
urteilen, dieser Annahme komme nur eine geringe Wahr-
scheinlichkeit zu. Denn die „benedictio clipei et baculi
bei Mötais, Cart. de Vendöme II, p. 445 nr. 578: „De consuetudinibus
comitis Burchardi.“ Heinrich II. (1154—1189) von England schied hier
1185 zwischen den Gerechtsamen des Grafen Burchard von Vendöme
und der Abtei Vendöme. Da wurde unter anderm festgesetzt: „Si inter
homines de burgo duellum fuerit, totum ad abbatem pertinebit. Si vero
homo, qui non sit abbatis, contra hominem abbatis de burgo duellum
facere debuerit, in curia Bochardi duellum erit, et si talis fuerit causa,
pro qua pena mortis vel membrorum truncatio sequi debeat, et homo
abbatis victus fuerit, ad prefatum Bochardum iusticia pertinebit.“ —
Die einschlägige Literatur ist ziemlich vollständig bei Coulin a. a. O.
gesammelt. Doch ist hier das stets anregende und wegweisende Manuel
von Luchaire (siehe hier im Register, p. 626, unter „duel judiciaire“)
nicht erwähnt. Auch die aufschlußreichen Angaben über Ordale in
Saintonge und Aunis bei Bruhat, Monachisme, sind noch nicht an-
gezogen. Ein knappes Referat über den Zweikampf des französischen
Rechtsgebietes neuerdings bei Holtzmann, Verfassungsgeschichte, 8. 62;
x) „Cappellanus de iudiciis, de albis et de sacramentis, de bellis
et peregrinorum oblationibus et de communione due partes (zur Dritte-
lung siehe oben 8. 455) cedet monachis“, Cartularium sancti Iovini in
Memoires de la societe de statistique du departement des Deux-Sevres
XVII (1854), premiere partie, Xiort 1854, p, 26. Es handelt sich hier
um die Abtei Saint-Jouin-de Marnes (D. Poitiers) und deren Eigen-
kirchengeistlichen am Priorat 8. Nicolas de Bercorium. Der Sprach-
gebrauch von „sacramentum“, der nicht bloß die Rechtsgeschichte,
sondern auch die Dogmengeschichte der letzten Jahre interessierte
(Grabmann, Gillmann, Heyer), wird uns in unseren Untersuchungen
zur Abgabengeschichte noch einläßlicher beschäftigen. Ich brauche kaum
eigens zu erwähnen, daß die stark ergänzungsbedürftige Studie von
F. Thudichum, Geschichte des Eides, Tübingen 1911, auf diese Eides-
abgabe nicht eingeht.

Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer