Full text: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte / Kanonistische Abteilung (5 (1915))

Kirchliches Abgabenwesen bei französischen Eigenkirchen. 473
campionum“. Man wird diese Oblationen als Gaben und,
wie wir bald hören werden, genauer als Abgaben ansprechen,
die jene Kämpfer bzw. Lohnkämpfer1) entrichteten, die ein
Kampfurteil bestanden. Und zwar dürfte dieser Zwei-
kampf nach dem ganzen Tenor und der sakralen Färbung
dieser und anderer Urkunden des 11. und 12. Jahrhunderts
als Gottesurteil und als Beweismittel, nicht aber als ordal-
loser Kampf im Sinne jüngerer Kampfprinzipien2) anzu-
sehen sein.
Es stehe dahin, ob bei den „oblationes campionum“
an den Kampf mit Stock und Schild oder aber an den
Kampf mit scharfen Waffen3) zu denken ist. Da indes der
erstere in der niederen Justiz stattfand, der andere mehr
— nach Jordan4) sogar ausschließlich in Hochverrats-
angelegenheiten statthatte — darf man vermuten, an der
Kirche von Pisy hatten es Bischof, Kloster und Priester
besonders auf den Stockkampf abgesehen, wenn sie von den
„oblationes campionum“ sprachen.
Die Urkunde des Manasses schweigt sich über diesen
Punkt völlig aus, da sie sich lediglich darauf beschränkt,
den Abgabenterminus namhaft zu machen. Damals schrieb
eben die Gewohnheit des pfarrlichen Lebens den Kom-
mentar. So erfahren wir auch nicht Näheres über die Höhe
der Oblationen, vor allem aber nichts über den Zeitpunkt
ihrer Entrichtung. Diese wortkarge Zurückhaltung ist vom
Standpunkte des Rechtshistorikers, aber auch des Liturgie-
historikers doppelt bedauerlich. Denn damit fehlt auch
x) Zum Sprachgebrauch von „campio" siehe Du Cange-Hen-
schel II 66ss. unter „campiones", Brunner, Rechtsgeschichte II 402.
4151, Franz, Benediktionen II, 8. 343 Anm. 4.
2) Wenn Sohm, Reichs- und Gerichtsverfassung 8. 5031, meint,
unter der Wendung „duellum" sei vom 10. —12. Jahrhundert nur der
Kampf mit der blanken Waffe (— pugna) verstanden, so ist das nicht
richtig. Denn englische Ritualien dieser Zeit sprechen vom „duellum"
als von dem Stockkampf. Vgl. die bei Franz II, 8. 3641, mitgeteilte:
„Benedictio clipei et baculi hominis proficiscentis ad duellum." Franz
hat jedoch auf die Ausführungen von Sohm keinen Bezug genommen.
3) Zur jüngeren Abwandlung des Zweikampfes siehe die oben 8. 461
Anm. 4 erwähnten Auslassungen von Fehr und vgl. aber auch oben
8. 463 Anm. I.
4) Fränkisches Gottesgericht, 8. 295.

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