Full text: Volume (5 (1915))

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Georg Schreiber,

Name des Diözesanoberen und seiner leiblichen Eltern1)
waren offenbar im martyrologium (— liber vitae) dieser
lingonensisehen Abtei auf gezeichnet. Diese gewiß namhafte
Schenkung erfolgte im Jahre 1185.
Es ließe sich nun einwenden2), es sei nicht angängig,
für diese späte Zeit dieses Gotteshaus noch als eine Eigen-
kirche anzusprechen. Das ist unter gewisser Rücksicht
richtig, da das Eigenkirchenrecht von der Theorie Gratians
und Alexanders III. überwunden war. Aber in den achtziger
Jahren des 12. Säkulums lebte es in der Praxis des französi-
schen Alltagslebens nun eben noch weiter. Vor allem trug
das Abgabenwesen, das an den Niederkirchen bestand, noch
einen stark eigenkirchenrechtlichen Zuschnitt. Und un-
bedenklich kann man von dieser Urkunde des Jahres 1185
auf Rechtsgewohnheiten schließen, die an dieser Kirche
und mehr oder minder an anderen Gotteshäusern des Bis-
tums Langres schon in den vorauf gehenden Jahrzehnten
des 12. und schließlich des 11. Jahrhunderts sich in den-
selben Formen geltend machten. Denn die ganze Rechtslage
dieser und anderer französischer Niederkirchen weist für
diese Jahrhunderte sehr verwandte Züge auf, die sich un-
schwer aus dem überwiegenden Einflüsse des Eigenkirchen-
rechts erklären lassen.
Also unter dem angezeigten Vorbehalte spreche ich
von der Kirche zu Pisy als von einer Eigenkirche. Der
Bischof Manasses übertrug sie dem Kloster mit allem Zu-
behör, „cum omnibus appendiciis" Das in einem bemerkens-
werten Gegensatz zu anderen Schenkgebern, die hin und
wieder mit Bruchteilen der Pertinenzen zurückhielten.3)
in divinis cultibus engere studeant, nostrum quoque memoriale et
omnium sancte Lingonensis successorum memoriam opportuna cum
oratione agere non pigeant. . . .", Quantin, 1. c. I nr. 74 p. 143.
x) Denn auf diese und nicht auf die Vorfahren im Bischofsamte
stellt es anscheinend unsere Urkunde ab. Ganz wie andere und gleich-
zeitige Quellenzeugnisse. Das ist sicher auch ein denkwürdiger Beitrag
zur Psyche des mittelalterlichen Bischofs. Dieses Moment (vgl. jedoch
auch die vorhergehende Anm.) verdient eine eigene Untersuchung.
2) Nämlich mit Hinsicht auf die von Stutz, Eigenkirche, Eigen-
kloster 8.13, gemachten Ausführungen.
3) Zwei Laien schenkten um 1105 zwei Kirchen an die Abtei Tai-

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