Full text: Volume (5 (1915))

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Georg Schreiber,

und andererseits der oboedientiarius1) dem vicarius eine
Terz der Bann- und Strafgelder zuwies2), wie weiter der
Klostervogtei im rechtsrheinischen Teile der Diözese Konstanz bis zur
Mitte des 13. Jahrhunderts, Görres-Gesellschaft, Sektion für Rechts-
und Sozialwissenschaft, Heft 2, Köln 1908 (S. 101: „Gleich dem pro-
vinzialen Hochgerichtsbeamten, dem Grafen, erhielten auch die hohen
Vögte der Immunitäten ein Drittel von dem finanziellen Ertrag der
Gerichtsbarkeit, von den Friedensgeldem und Bannbußen — ein Beweis
für die Identität ihrer Befugnisse“). Siehe darüber aber auch neuer-
dings H. Hirsch, Die Klosterimmunität seit dem Investiturstreit,
Weimar 1913 (S. 58: „Das Drittel der Bannbußen ist ja doch zumeist
als Vogteinkommen normiert“; 8. 128: „Der Zisterzienserabt von Dargun
erhielt ein Drittel der Bußgelder“). Aber daß hier ein bedeutsamer
Parallelismus bestand, der auch auf priesterliche Funktionäre Übergriff, ist
von diesen und von anderen Autoren noch nicht erkannt. — Darüber,
daß auch dem fränkischen Grafen ein Drittel der Friedensgelder und
Bannbußen zufiel, siehe statt anderer R. Schröder, Lehrbuch der
deutschen Rechtsgeschichte5, Leipzig 1907, 8. 133.
x) Der von (Luchaire, Manuel, und von Holtzmann, Ver-
fassungsgeschichte, nicht erwähnte) Vertreter des Abtes in jener klöster-
lichen Dependenz, die wir bereits als prioratus (— cella — obedientia)
kennen lernten. Vgl. dazu Du Cange-Henschel IV, p. 668, unter
„obedientiarius“ und Schreiber, Kurie und Kloster II, 8. 435, im Re-
gister unter „Obedienzen“.
2) So scheint es wenigstens in vielen französischen Gebieten im
11. und 12. Jahrhundert die Regel gewesen zu sein. Ich beabsichtige
in diesen Zusammenhängen noch nicht, das Quellenmaterial umfassender
auszubreiten. Aber um hier doch gleich ein wertvolles Quellenzeugnis
festzuhalten, verweise ich auf das Gerichtswesen der lugdunensischen
Abtei und Grundherrschaft Savigny (zu diesem Kloster siehe auch
oben 8. 438 Anm. 1 und 8. 439 Anm. 1). Näherhin auf die „controversia
inter obedientiarium et vicarium“ in Mombloy, einer Dependenz von
Savigny (Bernard, Gart, de Savigny I, nr. 498 p. 514, a. 1197; vgl.
auch ebenda nr. 841 p. 447, a. circa 1100), die, wie folgt, entschieden
wurde: „notum facimus discordiam, quae erat inter Iohannem d’Espeisse,
obedientiarium de Mombloy et Petrum Amaldi, vicarium eius super
vicaria diu agitatam hoc modo per dictum nostrum (nämlich des Rainald
[1193—1226], Erzbischof von Lyon, und des Richard, Abtes von Savigny)
fuisse sopitam; dictum fuit ibi, quod sicut vicarius habebat tertiam
partem in laudibus et venditionibus, ita haberet tertiam partem in
bannis et etiam furtis, in tota vicaria a quacumque persona sive privata
sive extranea factis etc.“ Über den Vikar als einen richterlichen Unter-
beamten der fränkischen und nachfränkischen Zeit siehe statt anderer
H. Brunner, Deutsche Rechtsgeschichte II, Leipzig 1892, S. 177ff., und
Schröder, D. Rechtsgeschichte6, S. 1009 im Register unter „vicaria".

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