Full text: Volume (5 (1915))

Kirchliches Abgabenwesen bei französischen Eigenkirchen. 439
andern Motive vor dem Seelstiftungsgedanken oder,
was dasselbe besagen will, vor dem Seelgerätgedanken
zurück. Man möge uns gestatten, diese beiden Termini
für unsere Zusammenhänge in Zukunft als technische Be-
zeichnungen zu verwenden.
Dieser sozialpsychologisch und religionspsychologisch
gleich denkwürdige Seelstiftungsgedanke („pro remedio ani-
mae meae“), der durch das nicht bloß im Christentum
wurzelnde, sondern auch im Germanismus begründete Mo-
ment des Ahnengedächtnisses und der Ahnenpflege („pro
remedio animae meae et parentum meorum“)1) eine be-
deutsame Verstärkung erfuhr, brachte die Laienwelt zur
Auflassung von Kirchen an das liturgiestarke2) Zönobium,
oder schließlich A. de Courson, Cartulaire de l’abbaye de Redon en
Bretagne, Paris 1863, nr. 374 p. 329. — Über Aufnahme in das Kloster
gegen Mitgift und Lohngabe vgl. im allgemeinen Schreiber, Kurie und
Kloster II, 8. 340 mit Anm. 3 und mit der dort angegebenen Literatur.
x) Vgl. etwa eine Kirchenschenkung, die um 1090 an das lugdunen-
sische Savigny statthatte: „Ego . . . Arnulfus Calvus ... ad exitum
vitae perductus ... do et laudo libere in perpetuum absque ullo retentu
Saviniaco monasterio et abbati et monachis ibi degentibus ecclesiam
Sancti Albani, quae dicitur capella in Donziaco castro, cum appendiciis
eius, pro remedio animae meae et patris mei et matris fra-
trumque et parentum nostrorum, ut Deus omnipotens ineffabile
nobis gaudium concedat“, Bernard, Cart. de Savigny I, nr. 829 p. 441. —
Hugo I., Herzog von Burgund, übertrug 1026—1077 Teile der Kirche von
Marcenay an die Mönche von Moleme „eo tenore, ut mei et parentum
meorum memoriam in orationibus suis agerent“, Laurent,
Cart. de Molesme II, nr. 11 p. 19. Ebenda (nr. 44 p. 57) in Sachen der
Kirche von Stigny: „. . .hanc concessionem pro animarum suarum
necnon et antecessorum suorum remedio fecerunt.“
2) Gerade um dieses liturgische Moment ist meine in Kurie und
Kloster gebotene Darstellung nunmehr zu ergänzen (siehe dort immerhin
II, 8. 108, wo sich eine erste Andeutung findet). In dieser Richtung
sind auch die von U. Stutz, Gratian und die Eigenkirchen (in dieser
Zeitschrift XXXII, Kan. Abt. I, 1911, S. 1 ff. und besonders 8. 21)
gebotenen Ausführungen, die an meine Untersuchungen anknüpfen, neu
zu orientieren. Daß in der Laienwelt die Freude an Stiftungen durch
ein imponierendes klösterliches Totengedächtniswesen bedeutsam ge-
stärkt wurde, dieser Ausblick fehlt auch der tüchtigen Arbeit von Mario
Falco, Le disposizioni pro anima, Torino 1909. Die juristische Disser-
tation von F. Dejust, Des fondations de messes, Paris 1908, geht auf
die alten französischen Meßstiftungen so gut wie gar nicht ein (vgl. dort

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