Full text: Volume (5 (1915))

Kirchliches Abgabenwesen bei französischen Eigenkirchen. 435
gewaltige Drang dieser Gesellschaftsschicht ging vielmehr
dahin, die Seelenpflege nach dem Tode einem

die Abhaltung von Messen und Vigilien, vor allem, aber die Eintragung
in den liber vitae einbegriff. Eben mit Rücksicht auf die Gesamtheit
dieser exequialen Momente gebrauchte man wohl auch die schon deut-
lichere Wendung „honorifice sepelire“. Vgl. etwa eine Aktnotiz vom
Jahre 1130, die dem Urkundenbestande von Talmont (Benediktiner-
abtei der D. Lugon, 1040 gegründet; vgl. U. Chevalier, Topo-Biblio-
graphie, Montbeliard 1894, col. 3053, H. Stein, Bibliographie generale
des cartulaires frangais, Paris 1907 [Manuels de bibliographie historiquelV],
p. 520) entnommen ist und die weiter die werbende Kraft des Kloster-
begräbnisses sehr deutlich zum Ausdruck bringt. Sogar unter einer
dialogmäßigen Zuspitzung, die selbst den französischen Literarhistoriker
interessieren dürfte. Man höre nur (Louis de la Boutetiöre, Cartulaire
de l’abbaye de Talmont, Memoires de la sociate des antiquaires de l’Ouest
XXXVI [1872] nr. 292 p. 216): „Dodo de Grecis, cum esset tanta pressus
egritudine, ut sentiret se non diutina vita victurum, Arnaudum filium
suum ad se vocavit eumque sic allocutus est: 'Fili dilectissime, tu nosti,
quia ego iam pridem Deo et S. Cruci (Talmont) dedi decimam de terra
mea et de vineis meis; tu ergo donum meum, precor, adauge, donans
monachis 8. Crucis decimam illam, que tibi cum uxore tua data fuit,
que etiam ut ipsa sic de meo feodo est.’ Fecit ergo filius, quod pater
rogabat actumque est, ut Dodo obisset et domnus abbas eius occasum
audiens ad sepeliendum eum perrexisset sepultoque illo honorifice,
omnes, qui ibi aderant, de amici quidem sui morte tristabantur, sed de
tanto honore gratulabantur.“ Man wünschte vor allem deshalb
Glück, weil der Abt persönlich die Exequien hielt. Sehr gut kann
man überdies dieser Stelle ein anderes entnehmen: daß das Kloster mehr
als eine Modalität des Laienbegräbnisses schuf, was das Interesse der
Laien natürlich steigerte. Die Traditionsnotiz fährt dann weiter fort:
„Cumque essent in ecclesia sancte Marie (anscheinend wurde dieser
Laie nicht im Hauptkloster Talmont, sondern in dem zu Talmont ge-
hörigen Priorat der hl. Maria beigesetzt. Solche Begräbnisse an Zellen-
kirchen waren sehr häufig und wurden einer Bestattung im Hauptkloster
ziemlich gleich geachtet. Denn auch an der Prioratkirche hielten Mönche
die Totenwacht, und darauf gerade kam es den Laien an) et abbas et
qui cum eo aderant, Arnaudus predictus donum istud, quod patris sui
rogatu fecerat, tunc presente domno Giraudo abbate confirmavit et in
signum doni eius librum missalem super altare posuit_“ — L. Ruland
hat in seiner dankenswerten Geschichte der kirchlichen Leichenfeier,
Regensburg 1901, 8.177 ff., dieses prächtige Material, das die französischen
Traditionsbücher zur Verfügung stellen, nicht genutzt. Bemerkenswerte
Einzelheiten über das Begräbnis in den altfranzösischen Epen teilt mit
C. Josef Merk, Anschauungen über die Lehre und das Leben der Kirche
im altfranzösischen Heldenepos, Halle a. d. S. 1914 (Beihefte zur Zeit-
28*

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer