Full text: Volume (5 (1915))

Die deutschen Reichskriegssteuergesetze usw.

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wurde des deutschen Königs gedacht, dessen höchstes
Recht auf einen fremden Kirchenfürsten übergegangen
schien; nicht ohne Grund konnte F. von Bezold den
Reichstag als im Namen Roms entboten, unter Androhung
von Ketzerstrafen zusammengetrieben und von einem
Kardinal geleitet bezeichnen.1) Es mutet an gleich einer
Posse, daß Sigmund fast in denselben Tagen von Ungarn
her dem Kardinal über die Flucht der Deutschen aus Böh-
men Bericht erstattete, seine Freude über die jüngst, im
September zu Frankfurt gepflogenen Verhandlungen aus-
drückte, von seinem Zug gegen die Türken Kunde gab
und gleichzeitig von dem Plane, nach Italien zu ziehen
und in Rom die Kaiserkrone zu erwerben: sie werde ihm
die Kraft geben, sich mit erhöhtem Eifer der Ausrottung
der Ketzer in Böhmen, der Wiedererlangung des heiligen
Grabes und Landes zu widmen.2)
Die Verhandlungen des Reichstages — er war weit
besser besucht als frühere — begannen mit schier unerhörter
Pünktlichkeit am 18. November 1427, um freilich zu schei-
tern, soweit sie der kurfürstlichen Vorlage einer Teilung
des Reiches in vier Kreise dienten, auf Grund deren der
Landfrieden wahrgenommen werden sollte.3) Im be-
herrschenden Mittelpunkt der Erörterungen stand die Frage
einer Reichskriegssteuer, nur daß es zu Frankfurt über sie
zu keinem einhelligen Beschlüsse kam. Dem Vorschlag
der allgemeinen Verpflichtung zur Geldleistung, wie ihn
der Kardinal, die Kurfürsten, Fürsten und Herren ein-
brachten, setzten die Städteboten die Einrede entgegen,
nicht „auf Geld zu geben“, sondern nur „zu dienstlich
mit Volk“ bevollmächtigt zu sein; er scheine unannehmbar,
da er „ein Anfang und eine Neuerung“ sei und die Besorgnis
wecke, daß um seinetwillen „viel Reden und Sagen unter
dem Volke“ entstünde; er sei „bei unseren Zeiten nie gehört
und Herren als nostra et veritis apostolica auctoritate . . . convocatis
et congregatis; ebd. IX, 8. 113 n. 79.
*) F. von Bezold, a. a. 0. II, 8. 124.
2) RTA. IX, 8. 72 n. 61 d. d. 1427 Sept. 27; s. ebd. IX, 8. 211.
n. 175. 176 aus dem Jahre 1428.
3) Vgl. p. von Bezold, a. a. O. II, 8. 125k.

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