Full text: Volume (5 (1915))

Die deutschen Reichskriegssteuergesetze usw.

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die Fehden mit Polen versetzten, die den Nürnberger
Reichstag beschäftigten1) und erst durch den Frieden am
Melnosee (27. September 1422) beendet wurden, kurz nach-
dem der Reichstag auseinandergegangen war. Von neuem
ergeben sich die Matrikel von 1422 und die ergänzende
Liste als Werke des Augenblicks. Man möchte aus ihrer
Knappheit fast auf eine beabsichtigte Auslese aus der Zahl
der überhaupt leistungsfähigen Reichsglieder schließen,
würde nicht solcher Annahme der schwere Ernst der Lage
des Reichs und der Kirche, der leider nur in seinen Umrissen
erkennbare Inhalt des Geldsteuergesetzes widerstreben.
König und Reichstag mußten gewillt sein, alle irgendwie
erreichbaren Hülfsquellen für das große Unternehmen des
täglichen Krieges in Böhmen flüssig zu machen, — was
sie schufen verriet in seiner ganzen Unvollständigkeit das
ganze Elend der deutschen Reichsverfassung zu Anfang des
15. Jahrhunderts, wurde verächtlich gemacht durch die
kümmerlichen Leistungen der Reichsglieder, deren besondere
Interessenpolitik sich mit Reichsmüdigkeit verband, — und
doch waren die Beschlüsse von 1422 für die weitere Ent-
wicklung von Bedeutung. Sie schufen Vorbilder für spätere
Anstrengungen und künftige Säumnis, wurden die Grund-
lagen für noch geringere Reichsdienste nachfolgender Gene-
rationen, die in ihnen ein wertvolles Recht bewiesen fanden,
das der Reichsstandschaft auf den Reichsversammlungen.
Über die Art, wie die nicht genannten Kirchen jeder
Gattung, wie der Stifts-, Kloster- und Weltklerus zur
Steuer herangezogen werden sollte, verlautet nichts; die
oben aufgestellten Vermutungen könnten demnach in der
Luft zu schweben scheinen, wären sie nicht durch die Ana-
logie der Bestimmungen über die Vermögenssteuer der
Herren, die Vermögenssteuer ihrer Hintersassen gestützt.2)
Grundsätzlich von Wichtigkeit war die Tatsache der all-
gemeinen Besteuerung der Geistlichkeit. Die Vertretung
des Reiches hatte sie beschlossen, ein Organ also des Reiches
als einer Ordnung weltlicher Art, deren Charakter durch
*) Vgl. dazu D. Kerler: RTA. VIII, S. 110 und die Aktenstücke
ebd. VIII, 8. 137 ff. 147 ff. 208 ff.
2) Vgl. oben S. 11 mit Anm. 1.

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