Full text: Volume (5 (1915))

Die Geltung des kanonischen Rechts in der evang. Kirche. 301
auf das kanonische Recht: merito scire et intelligere debe-
bant hi, qui jus vocandi et dimittendi pastores et ministros
evangelii in ecclesiis affectant similiter et illi, qui ipsis
patrocinantur ne quidem patronos ecclesiae, quibus jus
denominandi et praesentandi pastores competit, jurisdictio-
nem super eos habere, quae secundum jus scriptum ad
episcopos pertinet1) und zitiert c. 4 c. 3 qu. 22); c. 5. 6.
9. 11 c. 7 qu. I.3) 2. Nicht minder stützte sich Joachim
Mörlin4) in seinen Propositiones u. a. auf das kanonische
Recht. „Der aber an seine State ist eingedrungen, der-
selbe hat nicht in seinem, sondern in einem fremden Beruf!
gesessen. Darum ist er auch ein Dieb und Mörder gewesen,
der einem andern das seine wider Gottes Wort zerrüttet
hat. Spoliatus debet restitui dicunt Juristae“, lauten die
Propositionen 50 und 515), d. h. er stützt sich auf c. 4
X 2. 10; c. 1. 7. 19 X 2, 13; c. 18 h. t. (canon Saepe) und
c. 3 c. 3 qu. 1 (can. Redintegranda).6)
2. Martin Chemnitz7), einer der bedeutendsten luthe-
rischen Theologen, der Kritiker des Konzils von Trient8),
beruft sich dafür, daß die Absetzung eines Predigers, „der
entweder mit Lehre oder Leben die Kirche nicht bauet,
*) Deren Befugnisse auf die evangel. Fürsten übergegangen seien,
eod. (S. 662f.).
2) Die Stelle besagt, daß Geistliche, die an Stelle Vertriebener
sich eindrängen, aus dem geistlichen Stande ausgestoßen werden sollen.
3) Die Stellen behandeln die Frage, utrum vivente episcopo alius
possit in eadem ecclesia ordinari und verneinen sie. cf. Cyprian ep. 2
lib. 4; ep. 6 lib. 1.
4) 1514—1572; 1540—1543 Sup. in Arnstadt, von dort ungerecht
vertrieben.
5) cf. Dedeken, Thesaur. 1. c. I pars III lib. I membr. 4 sectio 5
nr. 9 (S. 10291). „Obs recht sey, einen Prediger mit Gewalt zu ver-
stossen und einen andern an seine Stell zu setzen.“
6) Auch dem Nichtjuristen wird die Bedeutung der aus dem kanoni-
schen Recht stammenden Spolienklage, die die zitierten Stellen behandeln,
einleuchten, wenn er hört, daß sie an Stelle der römischen Besitzklage
(interd. recuper. poss.) des interdictum de vi trat und den Vorteil bot,
daß der Spoliierte sich auf eine Klage irgendeiner Art gar nicht einzu-
lassen brauchte, bis das Spolium beseitigt ist, also eine prozeßhindemde
Einrede war, die dem Beklagten die Befugnis gab, bis zu ihrer Erledigung
die Verhandlung zur Hauptsache zu verweigern, cf. §4 8. 197 Anm. 2.
7) 1522—1586. 8) Examen. Conc. Trid. 4 Bände, 1565—1573.

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