Full text: Volume (5 (1915))

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Rudolf Schäfer,

widersprachen oder entgegenstehende Observanz nachweis-
bar war, als subsidiäres gemeines Gewohnheitsrecht. Das
war das Erbe, das das 19. Jahrhundert antrat.
§ 8. Die evangelischen Juristen
des 19. Jahrhunderts.
Aus sachlichen Gründen war eine eingehendere Dar-
stellung der Anschauungen des 16. bis 18. Jahrhunderts
notwendig, weil einmal die Quellen, die hier sehr reichlich
fließen, sie ermöglichen, dann aber auch besonderer Wert
darauf zu legen war, die Gegner des kanonischen Rechts
überhaupt wie insonderheit seiner Geltung in der evangeli-
schen Kirche mit ihren Gegengründen ausführlich zu Worte
kommen zu lassen, also gerade die Belastungszeugen be-
sonders eingehend zu vernehmen, um ein geschichtstreues
und wahres Bild der Wirklichkeit zu erhalten. Auch auf
die andere Seite der Frage, die in der Einleitung berührt
wurde, sind wir eingegangen, haben die tatsächliche An-
wendung des kanonischen Rechts neben seiner Anwendbar-
keit zu ermitteln gesucht und erhielten von allen Zeugen
die einstimmige Antwort: es wird in der kirchlichen Praxis
nicht nur angewandt, sondern hörten die Klage, es werde
zuviel angewandt, und nahmen die Bestrebungen wahr, es
soviel wie möglich von den späteren Zusätzen zu befreien,
zu reformieren und für den Gebrauch in der evangelischen
Kirche um- und auszugestalten.
Um so kürzer kann die Darstellung der Anschauungen
der evangelischen Juristen des 19. Jahrhunderts sein. Das
ist in der immer größeren Einschränkung begründet, die
die Geltung des kanonischen Rechts in der evangelischen
Kirche durch die neuere kirchliche Gesetzgebung erlitten
hat, aber auch in der Tatsache, daß aller Streit um seine
Geltung in der kirchenrechtlichen Wissenschaft aufgehört
hat, da alle hier in Betracht kommenden Gesichtspunkte
ausreichend geklärt sind, und ein geschichtlich orientiertes
und fundamentiertes Urteil in der ganzen Frage gewonnen
ist, dessen Richtigkeit und Zuverlässigkeit doch nicht
ipit Deklamationen, sondern nur mit dem schlüssigen
Beweise der Unrichtigkeit seiner tatsächlichen Gründe

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