Full text: Volume (5 (1915))

Die Geltung des kanonischen Rechts in der evang. Kirche. 269
wider den Pabst was beweisen könte1). Zwar
deß wegen ist es 1. nicht eben abzuschaffen, weil es vom
Pabste ist, denn man kan auch wohl von seinem Feinde
etwas annehmen, wenn es nur sonst gut und nützlich ist.
Wohl aber weil viele Gottlose Dinge in selbigem enthalten,
welche Unverständige unvermerckt einzusaugen pflegen,
und sichet man nur allzusehr, wie Protestirende Lehrer
offte sehr papenzen und den ungewissenhafften Gewissens-
Zwang aus dem Päbstischen Rechte behaupten.2) Nicht
weniger ist eine bindige Ursache, daß sich das wenigste
aus dem Päbstischen Rechte auff den Protestirenden Staat
schicke, denn nach jenem machen die Geistlichen einen
absonderlichen Stand, welche dem Pabste als ihrem Haupte
unterworfen seyn sollen, aber nach dieser Verfassung sind
sie Unterthanen der weltlichen Obrigkeit jedes Landes,
dahero ihre Rechte nach diesem gedoppelten Ansehen gantz
unterschiedlich sind, und wenn man also das Päbstische
Recht dennoch auff die Protestirenden Staaten füget, so
können hier aus nichts anders als gezwungene, eitele,
falsche und unnütze Lehren entstehen.3) Endlich wenn
ja etwas gesundes im Päbstischen Rechte sich findet, so
kan man auch solches ohne selbiges4) haben, und dahero
verlohnet sichs nicht der Mühe, eine so grosse Arbeit um
so wenigen Nutzen vorzunehmen; wer wollte wohl einen
grossen Mist-Hauffen umwühlen aus Hoffnung etliche ge-
ringe Stäubigen Goldes darinne zu finden? Kein ver-
nünftiger Hauß-Vater nimmt eine Arbeit vor, da die
Kosten höher kommen als der Nutzen ist.5) Noch ist zu
erwegen die grosse Ungewißheit, so das Päbstische Recht
verursachet, denn da weiß man vielmahl nicht, ob solches
dem Römischen Kayser-Rechte solle vorgezogen oder nach-
gesetzet werden, so gibts auch allerley Meynungen, wenn
man es mit denen teutschen Gesetzen vergleichet, woraus
dann der Schluß folget, daß das Päbstische Recht zu nichts
dienen kan als Zänckereyen anzurichten oder zu erhalten.“6)
„Und hinwieder thut gar nichts, was Herr Schilter7)
b 1. c. § 63. 2) 1. c. § 64. 3) 1. c. § 65.
4) Woher sollte man es denn nehmen?
5) 1. c. § 66. 6) 1. c. § 67. 7) cf. vorhin S. 226 f.

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