Full text: Volume (5 (1915))

Die Geltung des kanonischen Rechts in der evang. Kirche. 245
unter den „gemeinen Rechten“ nicht deshalb die leges
civiles, „'weil er viele leges aus dem corpore juris Justi-
nianeo angeführet, welches vor der Zeit in öffentlichen
Reichs-Gesetzen nicht geschehen ist', weil der Kayser
an besagtem Ort eben so, wo nicht mehr die Texte aus dem
Jure Canonico anführet, welches gleichfalls vorher in denen
Reichs-Abschieden nicht geschehen war, die DO. auch ge-
meiniglich zugestehen, daß in Proceß-Sachen das Jus Cano-
nicum mehr als das Jus civile gelte, so kan man auch diese
Verordnung nicht anführen, um zu beweisen, daß das Jus
Civile im Teutschen Reich mehr gelte, als das Jus Cano-
nicum.“1) Schreibe Maximilian I. in der Notariats-Ordnung
von 1512 ,/denen Notariis’“ vor, ,/daß sie ihrem Amte
vor stehen selten nach Inhalt gemeiner Rechte’“ und daß
die Form der Testamente ,,’nach denen Kayserlichen
Rechten und Gesetzen’“ sich richten solle, so erhelle dar-
aus, „daß Maximilianus das Justinianische Recht für ein
gemeines Recht gehalten“, und nur, „daß unter dem Wort
gemeine Rechte auch das Justinianische Recht, aber nicht
allein verstanden werde. Denn an dem vorigen Orte setzet
der Kayser hinzu: 'Nach Innhalt gemeiner Rechte oder
löblicher Gewohnheit und Gebrauch eines jeden Ortes.’
Hernach so beweise auch diese Stelle nur, daß das Jus
Civile in Testament-Sachen mehr gelten solle, als das Jus
Canonicum, nicht aber, daß es durchgehends demselben
solle vorgezogen werden. Zu geschweigen, daß auch in
Testaments-Sachen das Justinianische Recht nicht durch-
gängig mehr gilt, als das Jus canonicum, sondern dieses
jenem in gewissen zum Testament gehörigen Stücken noch
vorzuziehen ist.2) Hiezu kommt auch noch dieses, daß
Maximilianus nur denen Notarien eine Regel vorschreibet,
nicht aber allen denen, die ohne Beyseyn eines Notarii
ein Testament machen wollen.“3)

J) 1. c. § 4 S. 468f.
2) cf. noch Linck, de autoritate jur. can. § 34 nr. 5.
3) 1. c. §4 S. 469f. Ich wollte ursprünglich auch Daniel Strycks
Anschauungen besonders darstellen, habe aber darauf verzichtet, weil
Thomasius sie so eingehend berücksichtigt und sie somit hier mit
behandelt werden.

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