Full text: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte / Kanonistische Abteilung (5 (1915))

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Rudolf Schäfer,

sprachen, ausgeschieden wissen wollte, festhielt, auch den
bestehenden Rechtszustand nicht erschüttern wollte, erklärte
er die Anwendung des kanonischen Rechts auf die evangeli-
schen Geistlichen und in der kirchlichen Rechtsprechung auf
die Ehesachen für zulässig, nicht minder — hier im Gegen-
sätze zu seinen Kollegen Johann Apel und Melchior Kling —
die Eheschließung evangelischer Geistlicher nach Empfang
der Weihen und damit auch Luthers Ehe für ungültig.1)
2. Melchior Kling2), der zwar das Verbot der Priester-
ehe mit Johann Apel3) für nichtig hielt, da es klaren
Worten des N. T. widerspreche4), bezeugte doch die trotz
aller Angriffe gegen das kanonische Recht nicht erschüttert©
Tatsache: jus canonicum in foris Protestantium non esse
sublatum.5)
In der Vorrede zu s. Tractatus matrimonial, causar,
vom Jahre 15596) rechtfertigte er die Geltung des kano-
nischen Rechts in Ehesachen: sum autem in hoc scripto
jus canonicum secutus, quod hoc tempore imperii romani
in concipiendis sententiis causarum matrimonialium usi-
tatum jus est. Quamquam enim alia jura quoque
extent, quae digniora et praestantiora videantur, qualia
sunt consuetudines et exempla ante et post Mosen, item
ipsa lex Mosi, Novum Testamentum et quoque jus civile:
tamen quaedam nostris temporibus omnino non conveniunt,
1) Schürpf hielt mit den andern Wittenberger Juristen die Verwen-
dung des Kirchen- und Pfründenvermögens zu andern als kirchlichen
Zwecken für durchaus unrechtmäßig und erklärte den, der sich dessen
schuldig mache, für einen „Dieb, Räuber und Kirchenschänder".
Stintzing, 1. c. S. 275.
2) 1504—1571; von 1534—1547 in Wittenberg, cf. über ihn Stint-
zing, Lc. S. 305 ff. und die dort angegebene Literatur. Sein Verhältnis zu
Luther blieb bis zu dessen Tode — beide waren 1546 als Schiedsrichter in
den Streitigkeiten der Grafen von Mansfeld in Eisleben — ein gespanntes.
3) 1486—1536; von 1524—1530 in Wittenberg, cf. über ihn Stint-
zing, Lc. 8. 285 ff. und bes. Mut her, J. Apel, Aus dem Universitäts-
und Gelehrtenleben usw. S. 230—328; 8. 445—487. Er wurde nebst
Bugenhagen und Lukas Cranach von Luther am 15. Juni 1525 zum Zeugen
seiner Verlobung zugezogen.
4) cf. Enarrationes in Instit. ad tit. I, 10 (1542).
5) cf. Lect. ad lib. II und VI decret. (1562).
6) Ich zitiere nach der Originalausgabe.

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