Full text: Volume (5 (1915))

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Rudolf Schäfer,

und Pläne in der harten Wirklichkeit des Lebens undurch-
führbar waren, vielmehr eine schärfere Scheidung zwischen
der Innerlichkeit des Glaubens und der äußeren Ordnung
des Lebens nötig war. Man muß „diese beiden Regimente
mit fleiß scheiden und beide bleiben lassen, eines, das fromm
macht, das andere, das äußerlich frieden schafft und bösen
werken wehrt“, hatte er 1523 erkannt und auch gerechter
über die Rezeption wenigstens des römischen1) Rechts
urteilen gelernt, sich auch überzeugt, daß die Einführung
des Mosaischen Gesetzes ganz ausgeschlossen war. „Man
lasse Moses der Juden Sachsenspiegel sein und uns Heiden
damit unverworren .... Das Gesetz Mosis geht die Juden
an, welches uns fortan nicht mehr bindet, denn das Gesetz
ist allein dem Volk Israel gegeben. Da nun nicht Moses
sondern kayserliche rechte in der weit angenommen seind,
wolle sich’s nicht gebühren, darüber Sekten und Zwietracht
anzuheben, sintemal der Glaube und die Liebe wol bleiben
kann mit und unter dem kayserlichen recht.“2)
Noch ein weiterer wichtiger Punkt, der Luthers Ab-
neigung gegen das kanonische Recht erklärt, darf nicht
unerwähnt bleiben. Er war, abgesehen von seinem Wider-
willen gegen jedes Eingreifen der weltlichen Gewalt, streng
monarchisch und treu kaiserlich gesinnt und befand sich
deshalb im Gegensatz zu den Wittenberger Juristen, die
aus dem kanonischen Recht3) die Zulässigkeit eines Krieges
der evangelisch gesinnten Fürsten gegen den Kaiser wegen
der streitigen Religionsangelegenheiten zu erweisen sich
getrauten. Daher wurde seine Abneigung gegen dies Recht
noch mehr bestärkt.4)
*) Sie ist aber mit der des kanonischen Rechts eng verbunden.
2) Von weltlicher oberkeit, Opp. (Jen. Ausg.) tom. II fol. 469.
3) c. 6 in VI o, 5, 11.
4) cf. über diese Frage die Consilien und Responsen von Luther,
Bugenhagen, Melanchthon u. a. bei Dedeken, Thesaur. consil. et
decis. etc. (2. Ausg. 1671) vol. II sectio 12 nr. 3ff. 8. 237ff., die allen-
falls nur die Gegenwehr für berechtigt erklärten, (cf. 1. c. nr. 7 ff. 8. 241 ff.,)
die dann nicht für Aufruhr zu halten sei. cf. auch Luthers Ansicht in
Opp. germ. Jen. Ausg. tom. 5 fol. 304 ff.; tom. 7 fol. 279 und s. Brief
an die Pfarrherren, daß, wenn sich die Evangelischen gegen die Ver-
folgung wehren würden, er sich ihrem Rat und Willen nicht widersetzen

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